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Gaias Adventskalender 2018

Gaia und das erste Jahr – ein Rückblick versteckt hinter 24 Türchen 

Text: Heinrich Söbke

 

1.Türchen: Prolog 

Im letzten Jahr sind wir auf den Hund gekommen. Am 26. November 2017 sind wir nach Bergamo gereist. Dort hat Professor Luigi Guidobono Cavalchini seine langjährige Zucht und einen Wurf, in dem noch eine Merle-Hündin nicht vergeben war. Am Freitag sind wir hingefahren, am Samstag haben wir uns Bergamo und die Bergamasker von Prof. Cavalchini angeschaut und am Sonntag ging es dann mit einer äußerst niedlichen Bergamaskerin namens Gaia wieder in die Heimat. Gaia di Valle Scrivia – so ihr vollständiger Name – ist jetzt seit einem Jahr hier bei uns in Weimar. Da ist es doch Zeit für eine Rückschau auf die großen und kleinen Ereignisse eines Hundelebens und wie sie das Leben von Fast-Hunde-Neulingen beeinflusst haben. Weil wir bekanntermaßen Schwierigkeiten haben, uns kurz zu fassen (oder das Leben mit einer Bergamasker-Hündin so aufregend ist), besteht der Rückblick auf das erste Jahr aus 24 kurzen Texten. Von nun an bis zum 24. Dezember wird täglich ein weiterer kleiner Text veröffentlicht. Viel Spaß beim Lesen!


2.Türchen: Bergamasker kommen aus Bergamo

Nun, es kommen sicherlich nicht alle Bergamasker aus Bergamo in Norditalien. Einige kommen auch aus Gummersbach, Heede oder Heroldstatt. Aber Gaia wurde (wie auch Conte) in der Nähe von Bergamo geboren. Es begab sich, dass Frauchen gerade in der zweiten Jahreshälfte 2017 Bedarf für einen Hund hatte, der auch perspektivisch Zeit und Lust hat, als Therapiehund zu arbeiten. Herrchen durfte dann eine Liste mit Rassen vorlegen, die Menschen-bezogen, empathisch, sensibel und intelligent sind. Die Liste umfasste dann drei Einträge: 1) Bergamasker, 2) Bergamasker, 3) Bergamasker. Die klare Festlegung auf Bergamasker resultierte aus einer Betrachtung der Hunderassen, die von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) gelistet werden. Da gefiel (und gefällt immer noch) der Bergamasker einfach am besten. Nach Gesprächen mit Jutta Ammann und Anschauen von Foppolo und Anthony bei einem Besuch bei Dagi und Lars Metzner haben wir die Entscheidung schnell getroffen. Eine Listung auf der GEH-Seite jedoch bedeutet auch, dass es nicht so viele Nachkommen gibt. Die Welpensuche gestaltete sich daher etwas aufwändiger. Über das Internet wurden wir auf einen Wurf in der Zuchtstätte di Valle Scrivia von Professor Luigi Guidobono Cavalchini aufmerksam. Dort ist dann doch tatsächlich eine Merle-Hündin frei geworden. Wissend um die langjährige Zuchterfahrung von Prof. Cavalchini haben wir die Chance ergriffen und mutig und ansonsten blind zugesagt. Wir kamen dadurch zu einer Bergamaskerin mit Migrationshintergrund. Den Namen durften wir bestimmen: Gaia.


3.Türchen: Die Fahrt nach Bergamo

Nachdem wir die Zusage für Gaia erhalten haben, mussten wir noch 5 Wochen warten, bis wir Gaia am letzten Novemberwochenende abholen durften. Von Weimar nach Ponteranica, so der Name der Gemeinde in der unmittelbaren Umgebung von Bergamo, in der Prof. Cavalchini lebt und Bergamasker züchtet, sind es gut 900 km. Wir hatten herausgefunden, dass es zumindest auf der Heimreise nicht gut wäre, durch die Schweiz zu fahren aufgrund der Ein- und Ausreisebestimmungen für Welpen. So sind wir dann am Freitag über den Brenner nach Italien gefahren und hatten in der Innenstadt von Bergamo ein Appartement gemietet. Den Samstag hatten wir dann bei diesigem Novemberwetter Zeit für Sightseeing in Bergamo. Außerdem durften wir schon bei Prof. Cavalchini den Wurf anschauen. Gaia hat 8 Geschwister. Von denen waren außer Gaia noch 3 bei der Mutter Amabile, die anderen waren schon in ein neues Zuhause aufgebrochen. Neben Amabile gab es noch drei weitere erwachsene Bergamasker-Hündinnen und natürlich noch einige Dackel – wir konnten sehen, was es heißt, ein richtiger Hundezüchter zu sein. Am Sonntagmorgen war es dann soweit, wir konnten Gaia in Empfang nehmen. Für die Züchter und die Betreuer ist dass wohl immer auch ein trauriger Moment. Dafür war die Heimreise zwar nicht kürzer als die Anfahrt, jedoch mit Sonnenschein, viel weniger Verkehr und nicht zuletzt mit Gaia im Auto ein Genuss.


4.Türchen: Die Eingewöhnung

Der erste Abend brachte Bergamasker-Niedlichkeit in unser Haus. Gaia strolchte durch das Wohnzimmer und ließ ihr frohes Wesen aufblitzen. Von nun an standen alle zwei Stunden regelmäßige Gassigänge auf dem Programm. Jeder erfolgreiche Gassigang wurde zum Erfolgserlebnis. Bis auf einige wenige Unfälle, lernte Gaia recht schnell, die Ausflüge nach draußen für ihre Geschäfte zu nutzen. Frauchen ließ es sich sogar nicht nehmen, ihr Nachtlager am ersten Tag und in der darauffolgenden Woche gleichfalls im Wohnzimmer aufzuschlagen. Gaia hatte die mittlere Etage des Hauses für sich. Wie wir später feststellen durften, war das bestimmt nicht freiwillig: es dauerte zwei Monate, bis die Treppe in das obere Geschoss keine Hürde mehr für sie war und wir sie nicht mit der notwendigen Konsequenz wieder in ihre Etage zurück brachten. Fortan verbrachte sie ihre Nächte auch in der oberen Menschen-Schlafetage. Weitere zwei Monate später haben wir dann auf der Treppe nach unten ein Schließ-Rollo angebracht. Die Treppe hatte sie dann auch erobert, allerdings interessierte sie sich dann auch für die Katzentoilette von Gigi. Das war tolerierbar, aber nicht, dass sie diese mit besonderem Genuß ausräumte. So bleibt der Keller Gigis Domäne, Gaia wartet aber gewöhnlich geduldig auf der Treppe.


5.Türchen: Bergamasker und ihre Menschen

Wir waren ja „vorgewarnt“ durch das Lesen der einschlägigen Webseiten. So beschreiben Corinna von Gagern und Jutta Amann den Bergamasker als einen Hund, der seinen Menschen überall hin folgt. Auch bei kurzzeitigen Raum-Wechseln im Haus muss der Bergamasker hinterher. Da ist Gaia durchaus eine typische Vertreterin ihrer Rasse. Sie folgt in jeden Raum, egal, ob man kurz etwas aus dem Keller holen möchte oder die Toilette aufsucht – Gaia ist im Schlepptau. Dabei weiss sie genau, wem sie folgt. Vor einiger Zeit hatte ich sie im Büro zu einer Besprechung mitgenommen. Während der Besprechung lag sie auf ihrer Matte, wanderte auch über verschiedene Positionen im Raum herum. Habe ich den Raum verlassen, um bestimmte Dinge zu organisieren, war sie mir sofort auf den Fersen – obschon noch viele andere Menschen im Raum waren und Gaia auch vorher abwesend wirkte. Es ist schon deutlich zu erkennen, dass der Hund und insbesondere der Bergamasker seit langer Zeit als naher Begleiter für den Menschen gezüchtet wird.


6.Türchen: Ein Hund ist auch nur ein Mensch

Na, ja, ein Hund ist kein Mensch, aber man freut sich, wenn man menschliche Verhaltensweisen beim Hund wiederentdecken kann. Gaia bietet da viele Gelegenheiten zur Interpretation. Eine der markantesten Situationen spielt sich ab, wenn es draußen regnet. Auch wenn Gaia nach einer langen Nachtpause sich mal so langsam wieder entleeren müsste, steckt sie die Nase zur Tür hinaus, stellt fest, dass ihre Schnauze dabei nass wird und geht dann auf keinen Fall einen Schritt weiter, sondern dreht ihre Schnauze wieder in Richtung des warmen Flurs. Fast schon legendär ist ihr Jammern beim Betteln (“…mihp miph ….”). Da ist dann die Frage für die Menschen, was sie denn gerade erbettelt. Wird ihr Betteln mit einem klaren “Nein” beschieden, dann scheint auch ihr “Hmm” als “Gut, dann eben nicht. Du wirst schon sehen, was Du davon hast!” interpretierbar zu sein. Immer wieder einen Grund zum stillen In-sich-hinein-lachen ist ihre Angewohnheit, beim Hinlegen sich ziemlich auf den Boden fallen zu lassen und dabei dann spürbar auszuschnaufen.


7.Türchen: Bedingungsloser Hirtenhund

Eine der auffälligsten Eigenschaften von Gaia ist ihr vermutlich in der jahrhundertelangen Zucht in die Wiege gelegt worden. Sie ist ein Hirtenhund. Sie hält ihre Schafe zusammen und bewacht sie auch. Wir mussten lernen wie ein Hirtenhund zu denken, um brenzlige Situationen zu verhindern. Von der kurzzeitigen Sperrung der B7 durch Gaia als freilaufenden, Herrchen-suchenden Hund hatten wir schon hier berichtet. Eine ähnliche Situation gab es, als ich mich zusammen mit Gaia am Fuße des Bergchens, an dem wir wohnen, absetzen habe lassen, um mit Gaia noch eine gewohnte kurze Runde zum Dreckabschütteln zu gehen – wir kamen gerade von der Hundeschule auf nicht trockenem Gelände. Nachdem wir 100 m auf dem Feldweg gegangen waren, habe ich sie von der Leine gelassen. Sie läuft nun nicht – wie in vielen gemeinsamen Runden vorher – mit mir weiter, sondern sie dreht auf der Ferse um, springt todesmutig über die Straße und rennt den Berg hinauf. Gaia nicht mehr sehend, stelle ich mich darauf ein, sie zu Hause wiederzufinden und mache mich zuerst rufend und dann nicht mehr rufend auf den Weg zurück. Kaum habe ich die Straße erreicht, kommt Gaia den Berg wieder herunter gelaufen und auf mich zulaufend zurück, wieder ohne nach links und rechts zu schauen, um wenigstens mich als den Rest ihrer Herde noch zu retten. Puuh, wir achten nun darauf, Gaia nicht in Situationen zu bringen, in denen sie Teile ihrer „Herde“ – also uns – vermisst und dann sich nicht durch gutes Zureden oder deutliche Befehle davon abhalten lässt, ihre Mission zu erfüllen.


8.Türchen: Gaia und die Haufen

Haufen spielen für Gaia eine große Rolle. Schon bei den ersten Gassi-Gängen, die sie an den Rest-Schneehaufen vorbei, führten, führte sie dann doch kein Weg vorbei. Stattdessen sprang sie auf die Haufen, schmiegte sich von oben auf den Haufen oder stürzte sich mit der Nase voran in den Haufen. Angewandtes Snow-Diving – sie spielte mit dem Schneehaufen. Irgendwann saß sie dann auch auf dem Haufen. An dieser Stelle könnte auch die Legende vom Yeti entstanden sein – Bergamasker im Himalaya. Ist kein Schnee vorhanden, nimmt Gaia auch mit Laub und lockerer Erde vorlieb. Bei diesen Gelegenheiten bekommen Gaias Menschen – also wir – immer eine Lektion in purer Lebensfreude erteilt.


9.Türchen: Löcher in den Socken

An diesem Beitrag heute lässt sich erkennen, dass wir nicht live schreiben, sondern die Geschichtchen „vorproduzieren“ und aktuelle Ereignisse keine Berücksichtigung finden – es wird keinen Brennpunkt AKTUELL geben, schließlich kann sich der gebeugte Leser und die geneigte Leserin auch tagesaktuell mit Hilfe des Internets informieren. Schließlich ist das hier ein Adventskalender, der passend zur Vorweihnachtszeit Stetigkeit, Ruhe und Kontinuität zur Besinnung kommen lassen soll 😉

Ein junger Hund muss viel lernen. Dazu gehört auch, die Kraft seiner Zähne einzuschätzen. Heute können wir mit Gaia spielen, ohne dass danach unser Körper mit Zahnabdrücken dekoriert ist. Das war nicht immer so. Da hat sie uns zur Begrüßung gerne in den Fuß gebissen. Von ihrer immer stärker werdenden Beißkraft wußte sie wenig. Ebenso war ihr die Wirkung ihrer spitzen Zähne scheinbar nicht so richtig bekannt. Die spitzen Zähne trafen dann auf meine Gewohnheit, Im Haus bevorzugt unbeschuht mit Socken herumzulaufen. Das Ergebnis waren einige Löcher in vielen Socken und die Gelegenheit, sich von einigen alten Socken zu trennen. Natürlich habe ich es dann auch mit Hausschuhen probiert. Aber Gaia hat mich dann immer wieder in meiner Vergesslichkeit erwischt. Der Vórrat an Socken ist bedenklich geschwunden, doch – wie bei vielen Dingen im Leben – trat Besserung ein, als niemand damit gerechnet hat. Heute ist Gaia kein Sockenlocher mehr. Jetzt werden nur noch die herumliegenden Socken eingesammelt, um in aller Ruhe zur Entspannung darauf rumzukauen. Gott sei Dank beschränkt sich der Sammeltrieb auf die herumliegenden Socken – Socken, die noch mit Menschen verbunden sind, werden glücklicherweise ignoriert.


10.Türchen: Gigi

Gigi ist eine Katze. Sie ist eine besondere Katze, denn sie teilt sich den Lebensraum zum großen Teil mit Gaia. Bevor Gaia in das Haus eingezogen ist, lief Gigi noch frei im ganzen Haus herum. Nun ist ihr Lebensraum ein wenig eingeschränkt: Sie ist zumindest noch Herrin über Konstantins Zimmer. Dass Gigis uneingeschränkt betretbares Reich nicht mehr so groß ist wie früher, liegt nicht (nur) an Gaia – sondern vielmehr (auch) an Gigis Eindruck von Gaia. Gigi hat Angst – oder eher Respekt – vor Gaia. Gaia selbst sucht Kontakt zu Gigi. Wann immer Gigi zu sehen oder zu hören ist, spitzt Gaia ihre Ohren und setzt sich in Bewegung, um Kontakt mit Gigi aufzunehmen. Vielleicht möchte Gaia Gigi auch nur hüten. Gigi aber wittert Gefahr, dreht sich zu Gaia um, faucht und entsichert ihre Pfoten. Sobald Gaia es mit der Kontaktaufnahme übertreibt, fliegen Gigis Pfoten. Darauf hin jammert Gaia enttäuscht, legt ihren Kopf ab und wartet neben Gigi, die aber nicht wegläuft. Gigi und Gaia wurden auch schon beobachtet, wie Gaia Kontakt aufnimmt und Gigi dabei langsam die Bettdecke rückwärts herunter rutscht, weil sie sich nicht mehr halten kann.  Ob Gaias Social Engineering-Bemühungen jemals Erfolg haben werden? Man weiss es nicht so genau, jedenfalls hat Gigi den Urlaub – und damit Gaias Abwesenheit genutzt -, um in Gaias transportable Hütte zu urinieren. Gigi ist eben eine Katze.


11.Türchen: Hirtenhund (II)

Gaias Hirtenhund-Gene werden auch bei anderen Gelegenheiten sichtbar. Erstaunt hat sie uns auf der Herbstwanderung der Landesgruppe 1 des KfUH. Auf dem Abstieg hatte sich unsere Gruppe teilweise über mehrere 100 Meter auseinandergezogen. Dadurch fühlte sich Gaia bemüßigt, zwischen Gruppenspitze und Gruppennachhut zu pendeln – den ganzen Weg über, mehrere Kilometer in das Tal. Bewundernswert, mit welcher Ausdauer und Arbeitsfreude sie ihre Aufgabe erledigt. Ihr Drang, die Herde zusammenzuhalten, lässt sich auch bei Spaziergängen mit mehreren Personen nutzen. Stellen ihre Schaf-Personen sich an verschiedenen Stellen auf, so läuft sie von Schaf zu Schaf. Diebische Freude kommt bei mir als Schafperson, wenn ich mich in ihrem Rücken in die Büsche schlagen kann und Gaia bei ihrem nächsten Besuch an der vorher noch besetzten Stelle irritiert sucht. Wird sie nicht fündig, bewegt sie sich schnell in Richtung der restlichen Schafe – retten, was noch zu retten ist. Wieder zu Hause angekommen, kann Gaia sich nach einem solchen “Spiel” dann zufrieden ihrem Morgen-Nickerchen widmen. Für uns ist es immer wieder faszinierend zu sehen, welche genetischen Anlagen im Laufe der Züchtungszeit herausgebildet wurden, die Gaia instinktiv das tun lassen, was sie als Hirtenhund tun sollte – ganz ohne Übung!


12.Türchen: Verdampfte Wurst

Mit Hund im Haus verändern sich einige Dinge. Man kann nicht mehr alle Dinge dort stehen lassen, wo sie früher standen, weil diese Dinge potentiell angeknabbert werden könnten. Auch muss man damit rechnen, dass mit wachsendem Hund auch dessen Reichweite wächst. Gaia konnte sich in ihrer Anfangszeit bei uns nur mit Mühe an den Tisch stellen, indem sie ihre Vorderpfoten Richtung Tischplatte brachte. (Das heißt jetzt nicht, dass sie das auch durfte ;-)). Inzwischen kann sie mit der Vorderpfote und Schnauze fast gezielt ein Brötchen aus dem Brötchenkorb stiebitzen, wenn dieser nicht genau in der Mitte des Tisches steht. Und Brötchen schmecken ihr scheinbar wesentlich besser als das eigens für sie angeschaffte Standard-Trockenfutter. Gut, das mögen die Hunde mancher Leser jetzt nachvollziehen können ;-). Diffiziler wird es, wenn noch schmackhaftere Dinge im Spiel sind als Brötchen: Wurst und Würste verachtet Gaia ebenfalls nicht. Als sie erst ein paar Monate bei uns war, fanden wir eine leere Wurstpackung, die kurz zuvor noch ungeöffnet auf dem Tisch lag, auf ihrem Lieblingsnageplatz. Und dann gab es zwei oder drei Situationen, in denen ich – mich fragte, wieso die Wurst noch nicht auf den Frühstückstisch lag, – dann zum Kühlschrank ging und sie dort auch nicht fand, und – darauf schon andere Familienmitglieder beschuldigen wollte, die Wurst nicht an ihren üblicjem Platz gelegt zu haben -, bis mir auffiel, dass erstens Gaia nicht wie üblich hinter mir herlief oder mich beobachtete und zweitens Gaia zufrieden kauend auf ihrem Nageplatz lag. Es war nur noch ein Indizienbeweis möglich. Gaia hat die richtige Mischung gefunden: Sie macht das nicht so oft, dass die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden. Sie wiegt ihre Menschen in Sicherheit und schlägt hin und wieder mit dem ihr eigenen Charme als Wurstverdampferin zu. Auch wenn wir versuchen es zu verhindern: Es sei ihr gegönnt.


13.Türchen: Bergi-Yoga

Eine der größten Überraschungen, die uns Gaia im vergangenen Jahr wohl unbewußt bereitete, ist ihre Auffassung von Bequemlichkeit. Im Zustand tiefstmöglicher Entspannung liegt sie auf dem Rücken. Oft lässt sie dabei ihre Beine auf die eine Seite fallen und legt den Kopf zur anderen Seite ab. Also eine völlige Verdrehung des Körpers. Nachdem wir in der ersten Zeit aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen sind, konnten wir sie auch bei Gelegenheit dabei beobachten, wie sie sich in diese Position bringt: Aus der Bauchposition wechselt sie in die Seitenposition mit ausgestreckten Beinen. Plötzlich dreht sich dann ihre Beine in die Luft – offenbar nach Erreichen eines passend entspannten Zustandes. Für eine andere Figur robbt sie sich auf der Seite liegend mit der Brust an die Wand heran. Kopf und Brust sind dann im 180°-Winkel gegen die Wand gedrückt – ihr Körper steht rechtwinklig von der Wand ab. Aber offenbar ist Gaia da ein typischer Bergamasker, in der Bergi-Fach- oder -Halterwelt sind diese Positionen schon lange unter dem Namen Bergi-Yoga bekannt – Facebook-Hashtag #BergiYoga.


14.Türchen: Stetiges Rätsel

Als jemand, der für das Computerspielen bezahlt wird, weiß ich: Menschen lösen gerne Rätsel. Und Bergis geben Rätsel auf. Insbesondere kommt man dann ins Rätseln, wenn sie sich irgendwo zur Entspannung zusammengerollt haben oder nur einen Teil sieht, der gerade unter dem Tisch liegt. Aufgrund des langen Fells ist oft nicht klar, in welcher Position der Bergi nun liegt und wo sich gerade die wichtigsten Körperteile befinden. Praktischer Anhaltspunkt ist hier dann die Schnauze, die sich öfter doch erkennen läßt. Die Variationsmöglichkeiten werden durch die große Beweglichkeit des Bergis noch zusätzlich erweitert – das gestern erwähnte Bergi-Yoga führt zu Positionen, die man sich für sich selbst eigentlich erst gar nicht vorstellen möchte. Bei mir bleibt der Geist hellwach mit der ständigen Frage, wie Gaia den jetzt liegt- mit mitunter überraschenden Antworten. Und immer ist ein Lächeln dabei.


15.Türchen: Taubacher Sand

Ein Bergamasker ist kein Kurzhaarhund, es sei denn, man rasiert ihn regelmäßig. Davon habe ich aber bisher noch nicht gehört, und ich möchte es mir auch nicht vorstellen. Die langen Haare machen ihn sehr niedlich, haben aber manchmal auch Nachteile. An einem langen Fell bleiben natürlich viele Fremdstoffe hängen, die von Haussauberkeitsbeauftragten auch kurz Dreck genannt werden. Mit dem Jahr haben wir gelernt, welche Situationen Gaia besonders viel Dreck aufsammeln lassen. Nasses Gras und gerade gepflügter Acker sind eine sehr produktive Umgebung zum Aufsammeln der Fremdstoffe. Gaia feuchtet dann zunächst ihr Fell im Gras an und rennt dann mit hoher Geschwindigkeit einige Haken über den Acker. Und schon kann man die Dreckkluten aus gutem Taubacher Sand an ihren Füßen wachsen sehen. Schneller geht es nur, wenn wir ihr erlauben, ein Bad in der Ilm zu nehmen. Das gefällt ihr bei warmen Temperaturen auch sehr gut. Keines Problemes bewusst, trottet sie daraufhin zufrieden nach Hause. Wir haben dann verschiedene Möglichkeiten: Entweder nehmen wir bei nicht Frier-Temperaturen den Gartenschlauch vor der Garage und spülen die Beine und den Unterboden von Gaia ab. Am Besten geht das natürlich, wenn Gaia dabei von einer Person festgehalten wird, und die andere Person den Gartenschlauch bedient und dann sogar noch mit einer Hand das Feld gleich wieder auswringen kann. Freiwillig bleibt Gaia leider noch nicht in Angesicht eines spritzenden Gartenschlauches stehen. Aber auch mit Anbinden und einer Person sind schon zufriedenstellende Reinigungsergebnisse zu erreichen. Danach steht im Vorraum eine Föhn-Sitzung auf dem Programm, ein Hundefön steht noch auf der Einkaufsliste. Die andere Möglichkeit, Gaia im Haus zu säubern, ist noch nicht ganz ausgereift. Direkt neben dem Eingang ist eine Dusche. Bei geöffneter Duschtür und Brause bleibt Gaia da leider nicht lange stehen. Die Badewanne, aus der Gaia nicht so leicht herausspringt, hingegen ist im ersten Stock, es ist schwierig, sie dahin zu transportieren, ohne zuviel von dem Dreck schon auf dem Weg im Haus zu verlieren. Für normalen Reinigungsbedarf gedacht ist das Kommando „Füße putzen“ und ein Handtuch im Vorraum. In jedem Fall ist es in unserem Haus ausreichend sauber, um gesund zu bleiben und dreckig genug, um glücklich zu sein. Daran hält sich auch Gaia, zumindest meistens und wenn sie daran denkt 😉


16.Türchen: Biomasseträger

Bekanntlich kann der Bergamasker mit seinem Fell viel Sand sammeln. Sobald die Feuchtigkeit geringer wird, rieselt der Sand wieder aus dem Fell. An einigen Tagen konnten wir Gaias am häufigsten frequentierten Schlafplätze an der dünnen Schicht von Sand auf dem Boden erkennen. Sprich: Sand hat das Bergamaskerfell spätestens am nächsten Tag wieder freigegeben. Das ist nicht für alle Stoffe so. Insbesondere von Biomasse wie beispielsweise Blättern, Dornen und kleinen Ästen trennt sich ein richtiges Bergi-Fell nicht so schnell, die kann man auch nach einigen Tagen noch puhlen. Sehr geeignet für eine längerfristige Bindung sind Kletten. Aber nur, wenn sie eine Position gefunden haben, die Gaia nicht so stört, dass sie sich unverrichteter Dinge hinhockt und ihr Fell mit den Zähnen bearbeitet bis die Klette bzw. deren größten Teile das Fell wieder verlassen haben. Zu Beginn des Fellwachstums hatte Gaia diese Bearbeitungsmaßnahmen noch nicht so verinnerlicht: Da hat sie versucht, eine Klette an der Schnauze am Boden abzustreifen. Die hat sich dadurch nur noch fester in das Fell eingearbeitet. Nun hat sie gelernt und reagiert erfolgreicher. Da Kletten meistens nicht einzeln vorkommen, sind das immer größere Reinigungsaktionen, bei der wir dann Schnauze in Hand gemeinsam arbeiten. Hat die Klette aber einen Platz gefunden, den sie so schnell nicht verlassen muss, wirkt sie wie das Sandkorn in der der Muschel, um das sich eine Perle bildet. Beim Bergamasker bildet sich dann so etwas wie eine Zotte. Nun gut, wir lassen es dann nicht so weit kommen, und entfernen die verkletteten Haare in abendlichen Reinigungsaktionen. Hm, Langhaarhunde brauchen dann doch ein bisschen mehr Pflegeaufwand. Da bewahrheitet sich doch meine Oma: Wer sein will fein, der muss leiden Pein.


17.Türchen: Pflegeleichte Gaia

Gaia kann schon ziemlich fordernd sein. Wenn sie Gassi gehen möchte, weist sie darauf mit nachhaltigem Zwicken hin. Wenn dann doch mal das Trockenfutter alle ist, läuft sie miehpend durch die Gegend. Oder sie ist aufgedreht und gibt keine Ruhe und wir sind noch nicht erfahren genug, um ihr Verhalten zu deuten. Wenn sie aber mit ihren Menschen in fremden Umgebungen unterwegs ist, dann ist sie die Mustergültigkeit in Person. Im Restaurant – sofern wir mit Hund dort hineinkommen – sucht sie sich einen Platz unter dem Tisch und verbringt die Zeit im Döse-Modus auf der Seite. Das war auch schon auf der ersten (und bisher einzigen) Zugfahrt so. Da lag sie uns zu Füßen, halb unter der Sitzreihe vor uns versteckt. Der verdutzte Schaffner, dem wir die Hundefahrkarte präsentierten, musste erst fragen, wo denn der Hund sei. Auch als wir im Sommer mit dem Schiff nach Helgoland gefahren sind, konnten wir sie einfach unter dem Tisch platzieren, sie legte sich auf die Seite, den gegenüber sitzenden Fahrgästen halb auf die Füße und verharrte dort ruhig bis zum Aussteigen. Auch in Geschäften läuft sie willig an der Leine mit, Hauptsache, sie ist in der Nähe ihrer Menschen.


18.Türchen:

 

 

 

 

 

 

 

 


19.Türchen:

 

 

 

 

 

 

 

 


20.Türchen:

 

 

 

 

 

 


21.Türchen:

 

 

 

 

 

 

 

 


22.Türchen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 


23.Türchen:

 

 

 

 

 

 

 

 


24.Türchen: Epilog

Das waren sie. 22 Erinnerungen aus dem ersten Jahr des Lebens mit einem jungen Bergamasker. Sie waren sehr subjektiv, vielleicht nicht immer richtig, manchmal übertrieben und ab und zu nicht ganz so ernst zu nehmen. Vermutlich gilt vieles des Geschriebenen auch für die Hunde anderer Rassen – und natürlich auch für andere Bergis. Ganz sicher ist aber zum Ausdruck gekommen, dass ein Bergamasker im Haus das Leben verändert, es entstehen neue Pflichten und Zwänge, die aber mehr als ausgeglichen werden durch die Sonne, den Schabernack und die unbekümmerte Lebensfreude, die ein Bergamasker in allen Lebenslagen so mit sich bringt und vermittelt. Was bleibt? Nun, zuerst ein niedlicher, manchmal aufmüpfiger Bergamasker mit einem halb-verzotteteten Fell. Dann die Gewissheit, dass es viele schöne Hunderassen und noch mehr treue Hunde gibt, wir aber mit den Bergamaskern im Allgemeinen und Gaia im Speziellen großes Glück gehabt haben (das wir mit diesen Erinnerungen vielleicht ein bisschen teilen durften). Und natürlich die Vorfreude auf das nächste Jahr mit vielen spannenden Erlebnissen. So müsste Gaia wieder eine Körung besuchen und vielleicht macht sie nun auch schon einige theoretische Schritte in ihrer Ausbildung zum Therapiehund. Weiterentwickeln wird sie sich auf jeden Fall. Dass wir vor einem Jahr auf den Hund gekommen sind, war eine Untertreibung – wir sind auf den Bergamasker gekommen! Allen Bergamasker-Freunden, -haltern und -interessenten (in kurz: der großartigen Bergi-Community!) wünschen wir jetzt erst einmal ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und dann einen guten Rutsch in das neue Jahr, in dem sich die Bergamasker weiter verbreiten mögen.

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