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Tempus fugit – Wie schnell doch die Zeit vergeht

Text und Fotos: Berit Langer

Wie schnell doch die Zeit vergeht und wohl kaum eine vergeht schneller als die Welpenzeit. Der letzte Bog-Beitrag (Es kommt doch immer anders, als man denkt…) ist eigentlich doch auch noch gar nicht so lange her und doch hat sich seither schon wieder einiges getan. Eben noch konnte man das kleine, schwarze Fellknäuel mit einer Hand hochheben und dann blinzelt man einmal und, schwupp, steht da ein langbeiniger, 62cm messender Teenager-Bergi von 9 Monaten vor einem, dessen fein gewelltes Haar wohl jedes Mädchen vor Neid erblassen lassen würde (es sei denn er ist frisch gekämmt, dann erinnert es einen eher an eine schwarze Perücke aus den 70er Jahren – aber das hält ja zum Glück nicht lange so).

Doch das ist nicht das Einzige, was sich geändert hat: Das bunte Ratespiel, um welche Rasse es sich handeln könnte, das ich ja bereits beim letzten Beitrag angesprochen hatte, hat sich verändert. Das Rassenrepertoire hat sich leicht verändert und vor allem deutlich verkleinert: Schnauzer oder Pudel, seltener auch mal Briard, Bouvier, Portugiesischer Wasserhund und einmal hielt man ihn für einen Bearded Collie. Eine Auswahl, mit der man ganz gut leben kann, finde ich. Doch meistens wird mittlerweile direkt gefragt, welcher Rasse er denn angehöre. Und diese Frage wurde nun auch durch weitere Klassiker ergänzt: „Kann der überhaupt etwas sehen?“, alternativ auch nicht als Frage, sondern als einfache Aussage formuliert „Der sieht ja gar nichts!“. Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen.

Doch die letzten Monate waren auch reich an Ausflügen. So machten wir im Juli nach diesem lange Zeit so furchtbar verregneten Frühling einen Ausflug auf die andere Seite des bei uns vorbeifließenden Rheins, ins Elsass, genauer gesagt in das wunderschöne Örtchen Éguisheim. Von uns aus ist das ein Katzensprung und ein großer Parkplatz bietet Platz für das Auto, damit man dann gemütlich durch die engen und verwinkelten Gassen mit seinen bunten Fachwerkhäusern spazieren kann. Für Peppone ein bisher unbekanntes Fleckchen Erde. Bei den engen Gassen kam es natürlich auch unweigerlich zu engen Begegnungen mit fremden Menschen und anderen Hunden. Und wer beobachtet nicht gerne sowohl die Reaktionen des eigenen Vierbeiners auf diese Begegnungen oder noch viel lieber diese doch so unterschiedlichen Reaktionen der Zweibeiner auf den Hund? Bei denen angefangen, die sich vor Angst am liebsten in den dornigen Rosenbusch schlagen würden, denn ein großer, schwarzer Hund kann schließlich nur der Hölle entspringen, bis hin zu denen, die ungefragt gleich mit Kuscheleinheiten über das Tier herfallen. Bei den Begegnungen mit anderen Hunden ist aber doch eigentlich nicht viel anders. Und wenn Peppone dann mal wieder von weitem von einem der fremden Artgenossen angekeift wurde, hat er diese allenfalls mit einem schrägen Blick gewürdigt, ganz auf die Art: Ein Gentleman genießt und schweigt. Tja, und weil es so schön dort war, sind wir eine Woche später gleich nochmal für einen Spaziergang nach Éguisheim gefahren.

Mit dem August begann für mich die vorlesungsfreie Zeit, wie es so schön an der Uni heißt. Für Peppone hieß das: Wenn Juniorfrauchen morgens brav an ihren Haus- und Abschlussarbeiten gearbeitet hat, gibt es am Mittag einen Ausflug mit neuen Eindrücken. Neben Spaziergängen durch Breisach und Freiburg, kamen nun also etwas exotischere Ideen hinzu, etwa ein Besuch im Baumarkt oder ein Treffen mit Freunden im Café oder anderen Gaststätten. Auch die ein oder andere Zug- und Straßenbahnfahrt sowie Aufenthalte am Bahnhof bei herein- und wieder abfahrenden Schnellzügen oder durchfahrendem Güterverkehr wurden in die Ausflüge eingebaut.

Einer der Ausflüge führte uns per Auto, Straßenbahn, Bus und schließlich einer zwanzigminütigen Seilbahnfahrt hinauf auf den Schauinsland, zu dessen Gipfel (1.284m) ein schöner und gut ausgebauter Weg inmitten der dunklen Tannen des Schwarzwaldes führt und man so auch an heißen Sommertagen schön im Schatten gehen kann. Den Aussichtsturm haben wir uns wegen des warmen Wetters gespart, die Aussicht war auch so schon schön genug.

Ein, bzw. eigentlich zwei andere Ausflüge gingen in den Wildtierpark Freiburgs, den Mundenhof, in dem auch Hunde erlaubt sind, sofern sie angeleint sind. Während Peppone von einem Alpaka geküsst und misstrauisch von ein paar Affen beäugt wurde, außerdem auch verschiedene Rinder, Ziegen, Schafe und Vögel, wie Pfaue und Strauße, genau beobachtete, wurde Peppone gleich mehrfach selbst zur Attraktion und für viele Kinder interessanter als jeder Wasserbüffel oder Poitou-Esel. Ein Junge meinte sogar zu seinen Eltern, dass Peppone wie ein Schwarzbär aussehe, ein anderes Kind im Buggy wunderte sich, warum Peppone außerhalb der Gehege sein durfte, die anderen Tiere aber hinter den Zäunen sein müssen. Ein kleines Mädchen kam auf Peppone zu und benannte ihn kurzerhand in Nino um. Wie mir die Eltern erklärten, hießen bei dem Mädchen alle Hunde Nino, da ihr Familienhund so hieß. Während Peppone sich dann noch ein bisschen von dem Mädchen streicheln ließ, freuten sich die Eltern umso mehr, als sie erfuhren, dass Peppone ein Bergamasker ist, denn „die sind doch so selten“.

Aber Peppone muss sich die ganzen Abenteuer auch hart erarbeiten (Vorsicht, Ironie!): Ich will es mal so sagen, manche in meinem Alter gehen abends in eine Bar und bekommen mit etwas Glück einen Drink spendiert – ich gehe mit Peppone spazieren und bekomme von der Stadtverwaltung 200 Kotbeutel spendiert, weil es dem Mitarbeiter leidtat, dass er (der Mitarbeiter) in einem Gebüsch herumgelaufen ist, um Müll zu entfernen und als er aus dem Gestrüpp herauskam, Peppone erschreckt hatte.

So verstrich der August und der September klopfte zusammen mit unserem geplanten Urlaub an die Tür. Während Peppones Mitbewohner Murphy in der Obhut meines Bruders blieb – mit seinen mittlerweile stolzen 13 Jahren hat auch er sich schließlich ein paar Tage Ruhe vor dem schwarzen Wirbelwind verdient – trat Peppone mit uns die etwa fünf- bis sechsstündige Autoreise gen Süden an. Einmal quer durch die Schweiz, inklusive Fahrt durch den Gotthardtunnel, vorbei an Lugano, Como und Mailand, ab dort dann ein Stückchen Richtung Osten. Wer die Landkarte im Kopf hat, ahnt, wohin die Reise ging: nach Bergamo. Nicht direkt in die Stadt, sondern in ein kleines Örtchen namens Monasterolo del Castello am Lago di Endine. Neues Haus, neue Umgebung, andere Leute in der Nachbarschaft – typisch Bergie, Peppone war erst einmal etwas zurückhaltend, aber sein Vertrauen zu uns siegte und so nahm er den neuen Urlaubsalltag auch schnell gelassen hin.

Unsere dortige Nachbarin, eine ältere Dame aus Mailand, schmolz jedes Mal förmlich dahin, wenn wir mit Peppone vorbeikamen und rief die ganze Familie raus, damit auch alle diesen „cane più bello“ sehen konnten. Bei einem Gespräch stellte sich heraus, dass sie sogar die Rasse kannte, aber noch nie einen so schön schwarzen gesehen hatte. Und auch bei anderen Menschen, denen wir in diesem Urlaub begegneten, erregten wir mit Peppone Aufsehen. Kinder wurden tatsächlich von ihren Eltern festgehalten und quasi dazu gezwungen, sich Peppone anzuschauen, indem die Eltern sie mit Sätzen wie „Schau mal, der ist doch total schön!“ beschwörten. Ob das Zufall war oder doch mit der italienischen Mentalität zu tun hat, aber wir hatten dort nicht einmal das Gefühl, dass Peppone wegen seiner Größe und seines schwarzen Felles misstrauisch angestarrt wurde.

Zusammen erkundeten wir dann die Vielfältigkeit der Lombardei: Wir besuchten nicht nur den „Haussee“ Lago di Endine, sondern auch den deutlich größeren und bekannteren Lago d’Iseo, fuhren durch das Valle Brembana die immer schmäler werdende Straße bis nach Foppolo, begegneten dort bei der Flucht vor einem herannahenden Gewitter einer Kuhherde, die Peppone aufmerksam begutachtete und auch die ein oder andere Stadt wurde besucht. Darunter natürlich die Città Alta von Bergamo, wo wir vor ein paar Jahren an Neujahr tatsächlich auch zwei Bergamaskern über den Weg liefen. Diesmal war Peppone aber der einzige Bergamasker, der uns dort vor die Augen kam. Eine weitere Stadt, die wir besuchten war Brescia, wo wir einer deutschen Schulklasse begegneten. Statt dem Lehrer weiter zuzuhören, wie er über die römischen Ausgrabungen sprach, stellte irgendwann eine der Schülerinnen uns diese Frage: „Ist der wirklich so flauschig, wie er aussieht?“ Ja, ja, das ist er und sie dürfe ihn auch gerne mal streicheln. Bald stand die halbe Klasse Schlange – Peppone ist mit seinen dato noch 7 Monaten eben schon ein kleiner Herzensbrecher, denn hatte ich schon erwähnt? Es war eine reine Mädchenklasse. In Cremona kam es dann zu einer weiteren Begegnung, die wir Peppone verdanken: Ein Ehepaar diskutierte schon von weitem, darüber, dass das ganz sicher ein Bergamasker sei. Sie kamen näher und fragten. Als sie sich bestätigt sahen, waren sie ganz aus dem Häuschen, wollten wissen, ob Rüde oder Hündin, wobei er dafür eigentlich ja eh zu groß sei und, sage und schreibe, gratulierten zu diesem „esemplare magnifico“.

Ein weiterer Höhepunkt war dann aber der Besuch eines Dorfes am Po, in der Emilia Romagna: Brescello. Mit Peppone ein absoluter Pflichtbesuch, schließlich ist er ja der Bürgermeister dieses beschaulichen Ortes! Brescello ist mit seinen weniger als 6.000 Einwohnern sicherlich keine der bekannten Metropolen Italiens, ist es auch kein Zufall, dass ausgerechnet dort ein Café, den Namen Peppone trägt und es auch einen Platz, eine Statue und weitere Sehenswürdigkeiten gibt, die den Namen Peppone bei sich stehen haben. Brescello ist der Drehort der schwarz-weiß verfilmten Komödien Guareschis um Don Camillo und Peppone. Wir besuchten also die verschiedenen Kulissen, wie das Casa di Peppone und das Casa Camillo, in einer Arkade hing die Campana di Peppone, im Museo di Peppone e Don Camillo trafen wir zufällig auf einen der wohl letzten Komparsen aus den Filmen (was wir jedoch leider erst hinterher erfuhren) und auch die Kirche sowie das Rathaus waren ein Muss. Vor den jeweiligen Gebäuden, die sich auf einem Platz gegenüberliegen, stehen entsprechende Statuen der Schauspieler Gino Cervi und Fernandel in ihren Rollen als Giuseppe Bottazzi, besser bekannt als Peppone, und Don Camillo. Bei letzterem bemerkte unser Peppone dann aber, dass dieses dunkle Gebilde die Form eines ihm fremden Menschen hatte und weil er sich wohl etwas bei dieser Erkenntnis erschrocken hatte, wurde die Statue von Camillo angebellt – ich muss gestehen, ich konnte das Lachen beim Anblick dieser neuartigen Auseinandersetzung zwischen Don Camillo und Peppone nicht unterdrücken. Aber nachdem der Schreck verflogen war, war es wie in den Filmen, man beruhigte und arrangierte sich; das heißt in diesem Fall Peppone merkte, dass die Statue trotz Menschenform wohl harmlos war.

Alles in allem ein sehr schöner und abwechslungsreicher Urlaub. Peppone hat immer wieder bewiesen, dass ihn – vielleicht mit Ausnahme der Camillo-Statue – nichts mehr so leicht aus den Socken haut und er offenbar auch Vertrauen in uns hat. Aber wie so oft, ging der Urlaub mal wieder viel zu schnell vorbei, doch die Wiedersehensfreude mit Murphy war dafür umso größer.

Wie schnell die kleinen Welpen doch zu großen Bergamaskern werden und wie viel man mit und vielleicht auch wegen ihnen erleben darf! Da freut man sich nicht nur über die schönen Erlebnisse, die man schon gesammelt hat, sondern freut sich auch auf all die, die noch kommen.

Allora, in tal senso, alla prossima! Ci vediamo! Eure Berit

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