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Es kommt doch immer anders, als man denkt…

Text und Fotos Berit Langer

Gerade in der letzten Zeit dürften sich das viele gedacht haben. Wir hätten wohl nicht gedacht, dieses Jahr ein neues, vierbeiniges Familienmitglied zu begrüßen. Doch ich fange mal von vorne an:

Bis vor zwei Jahren waren wir eine vierköpfige Familie – meine Eltern, mein Bruder und ich – die in einem kleinen Örtchen inmitten der Weinberge des Kaiserstuhls bei Freiburg zusammen mit vier Pferden, zwei Zwergeseln, vier Hofkatzen und drei Hunden lebte. Das dreiköpfige Hunderudel bestand aus den beiden Bearded Collie Brüdern Maddox und Murphy und unserem ersten Bergamasker Navigo del Montevergine.

Nachdem wir Anfang dieses Jahres Maddox als zweiten aus dem Rudel unerwartet gehen lassen mussten und nur noch Murphy da war, fiel die Entscheidung, einen Welpen aufzunehmen nicht schwer. Ebenso schnell stand auch fest, dass es ein Bergamasker sein soll.

Das dürfte wohl dem absolut liebenswerten Charakter und der Stärke Navigos geschuldet sein, denn unser Start mit ihm war alles andere als gewöhnlich: Statt Welpenspielgruppe, Entdeckungstouren und Toben mit den Beardies im Garten, war damals für Navigo erst einmal ein wochenlanger Klinikaufenthalt angesagt: „Wir können leider nicht sagen, ob er es schaffen wird“. Schuld daran war niemand. Trotz aller Vorsicht hatte sich Navigo kurz vor der Impfung zum Vollschutz einen Parvovirus eingefangen – ein absoluter Albtraum. Doch Navigo hielt durch. Zurück in seinem neuen Zuhause, das er noch immer kaum kannte, päppelten wir ihn wieder auf und er wuchs zu einem großen, schönen, liebevollen und intelligenten Bergamasker heran. Doch einige Jahre später, bekamen wir eine neue Schockdiagnose: Mit gerade einmal sechseinhalb Jahren, hatte Navigo eine massive Herzerkrankung als Spätfolge der Parvovirose entwickelt. Die Kardiologin meinte, dass er ohne Medikation den Sommer nicht mehr erleben würde (es war Mai), und mit voraussichtlich auch nicht mehr als ein halbes, maximal ein ganzes Jahr zu erwarten sei. Navigo wurde 10,5 Jahre alt. Und obwohl auch das mit dieser Diagnose unwahrscheinlich gewesen war, ist er eines Nachts friedlich auf ewig eingeschlafen.

Diese Stärke und Robustheit beeindruckten uns zutiefst. Das in Kombination mit diesem so typischen und absolut liebenswerten Bergie-Charme, machten uns die Entscheidung einfach.

Doch die meisten, die sich einmal auf die Suche nach einem passenden Bergie-Welpen gemacht haben, wissen, dass das nicht immer eine einfache Aufgabe ist. Wir entdeckten auf unserer Suche einen Facebook-Post: Es war noch ein schwarzer Rüde aus dem B-Wurf der Zucht Terra Pecoricca verfügbar. Allerdings hatten wir trotzdem wenig Hoffnung, da der Post bereits ein paar Wochen alt war. Umso größer war die Freude, als wir hörten, dass das kleine Fellknäuel aber immer noch ein Zuhause suchte.

So kam es dann, dass wir am Osterwochenende unseren kleinen Peppone (Bazinga) della Terra Pecoricca abholten. Vorherige PCR-Tests, insgesamt 1.700km Hin- und Rückfahrt an drei Tagen mit Zwischenübernachtungen bei Verwandten in der Nähe von Köln, um die Fahrt weder für uns, noch für den kleinen Wuschel zu lange werden zu lassen, und ein paar vor Aufregung schlaflose Nächte – aber diese Mühe war er allemal wert und würden wir es jederzeit wieder so machen!

Zugegeben, wir merkten schon, wie sehr uns das Erlebnis mit Navigo fast schon traumatisiert hatte. So war der erste Ausflug nach den Osterfeiertagen gleich einmal zum Tierarzt und als Peppone dann drei Wochen später die letzte Impfung für den Vollschutz bekommen hatte, fiel uns ein ganzer Felsbrocken vom Herzen und wir stießen erst einmal darauf an.

Doch ansonsten war und ist es einfach eine wahnsinnig tolle Zeit. Wir hatten das Glück trotz Pandemie sogar gleich zwei Hundeschulen in der Nähe zu haben, die an unterschiedlichen Tagen Welpenspielgruppen angeboten haben, sodass wir Peppone dort ausgelassen spielen und toben lassen konnten. Und was gehört bei jedem Welpen, aber insbesondere einem Bergamasker von der ersten Stunde an dazu? Die Frage nach der Rasse. Dabei ist es doch wirklich immer wieder faszinierend was alles danebengeraten wird: Riesenschnauzer, Mittelschnauzer, russischer Terrier, irgendein anderer Terrier, Labrador, Labradoodle, ein anderer Doodle, Riesenpudel, nur Pudel, spanischer oder portugiesischer Wasserhund, Bouvier… Und wenn man dann das Rätsel auflöst, dürfte einem fast immer dieses berühmte „aaah“ begegnen, manchmal kombiniert mit einem Nicken, und man weiß genau als Bergie-Besitzer: Das Gegenüber hat nicht die leiseste Ahnung, von was man spricht oder was das sein soll. Das war für uns eigentlich nichts Neues. Neu war hingegen, dass Peppone durch sein schwarzes Haarkleid oftmals noch nicht einmal als Welpe erkannt wurde und uns mehrmals dann Aussagen im Stil von „Ach, das ist noch ein Welpe? Erst zehn Wochen? Der ist aber ja jetzt schon so groß, wohin will der denn noch wachsen?“. Tja, Hunde mit einer Schulterhöhe von mehr als 30cm sind scheinbar nicht mehr üblich. Aber gut, bei Navigo wurden wir dafür ständig gefragt, ob er das Junge von unseren beiden Beardies (beides Rüden…) sei, weil da einer eher grau und der andere eher schwarz war und Navigo als merle-farbener Welpe dieses Bild zu vermitteln schien. So gelangt man immerhin zu witzigen Anekdoten.

Doch bei Peppone sind wir einmal sogar richtig überrascht worden – denn darauf ist in der Regel kein Bergie-Besitzer je vorbereitet: Wir kamen das erste Mal zu einer der beiden Hundeschulen und die Trainerin kam neugierig auf uns zu und versuchte mal wieder vergeblich die Rasse zu erraten, schien dabei aber selbst schon irgendwie nicht sehr überzeugt. Als wir ihr dann verrieten, dass Peppone ein Bergamasker ist, und sie natürlich mit einem „aah“ antwortete, wollten wir gerade schon zu weiteren Erklärungen ausholen. Aber die Trainerin kam uns zuvor: „Ja, ja, endlich mal wieder einer! Wir hatten schon mal einen hier, die sind ja so toll, aber das ist schon ein paar Jahre her.“ Das dürfte wohl der beste Beweis dafür sein, dass man mit einem Bergie immer viele Überraschungen erlebt, selbst wenn man dachte, dass man auf gewisse Situationen schon vorbereitet sei.

In der anderen Hundeschule hingegen hatte man noch nie etwas davon gehört, doch ging dort die Trainerin neugierig von einem zum nächsten Hund, jedes Mal mit der Frage „Ist das der Italiener?“.

Peppone ist also jetzt bereits ein ausgezeichneter Herzensbrecher und zaubert den Menschen, die ihm begegnen stets ein Lächeln ins Gesicht. Jeden Tag entdeckt er ein Stückchen mehr von der Welt: Die Weinberge des Kaiserstuhls, das Straßenbahnfahren und geschäftige Treiben auf dem Münstermarkt in Freiburg, Spaziergänge am Rhein, in der Breisacher und in der Staufener Innenstadt, Begegnungen mit großen Pferden, neugierigen Eseln, lässigen Katzen und anderen Hunden, seinen betagten Mitbewohner eingeschlossen, … – all das entdeckt und gewinnt er für sich, wobei er trotz dieser ganzen aufregenden Eindrücke immer auch sehr souverän bleibt und uns Zweibeinern schon jetzt sein Vertrauen geschenkt hat.

Wir sind gespannt, welche Abenteuer wir mit Peppone noch so erleben werden, doch wir sind sicher, er wird dabei stets diesen liebenswerten Bergie-Charme versprühen. Es kommt oft ganz anders als man gedacht hätte, doch das muss nicht immer etwas Schlechtes sein. So gerne wir auch Navigo und Maddox noch länger in unserem Leben gehabt hätten, so sehr freuen wir uns auch über das neue Familienmitglied, dass uns und auch Murphy viel Freude mit ins Haus gebracht hat und hoffentlich lange bringen wird.

Ci vediamo!

3 Comments

  1. Gundula says:

    Ich hatte beim Lesen etwas Pipi im Auge – musste aber auch herzhaft lachen. Ja, diese Situationen kennen wir alle. Wir wünschen euch alles Glück der Erde mit dem kleinen Schatz.

    1. Alexander Siebert-Ernst says:

      Ja das stimmt, man ruft immer wieder Erstaunen hervor mit einem Bergamasker. Ich habe meine aus dem Tierschutz. Es war ein Zufallstreffer. Otto ist ein sehr sensibler Hund. Ich mochte ihm um nix mehr in der Welt hergeben. Otto ist dadurch in Nordhessen gelandet. Hier ist die Rasse überhaupt nicht bekannt. Die halten ihn alle für einen Briard.
      Ich wünsche euch alles gute mit eurem neuen Schatz.

  2. Birgit Hüsselmann says:

    Es ist schon oft seltsam wie man selber an einen Bergie gerät und wie sie uns dann alle verzaubern. Wir sind auch total verliebt in unseren Bergie. So vieles kommt uns bekannt vor aus eurer schönen Geschichte.
    Wir wünschen euch viel Freude mit eurem neuen Zuwachs!!

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