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Ein Bergie wollte Hochzeit feiern in der schönen Schweiz

Text und Fotos von Alexander Seitz

Am 24.09.2017 erblickte unser Sonnenschein, der kleine Elwood, das Licht der Welt. Im Vorfeld wurden wir bereits gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, ihn zur Zucht einzusetzen, wenn er sich dazu eignen würde. Das war nie der Hauptgrund warum wir uns für einen Bergamasker entschieden haben (nachzulesen unter „Wie wir auf den Bergamasker kamen – oder Abschied und Neuanfang“). Aber es war klar, dass wir nicht abgeneigt waren. Was für eine Zuchtzulassung alles erforderlich ist, kann auch unter dem Blog-Eintrag „Ganz einfach – vom Rüden zum Deckrüden“ von Sylvia Thiel nachgelesen werden. Ich werde die einzelnen „Stopps“ auf dem Weg zur Vaterschaft nur kurz anreißen.

Unser erster Schritt war die Nachzuchtkontrolle. Hier wird hauptsächlich überprüft, ob in jungen Jahren schon zuchtausschließende Gründe vorliegen könnten. Außerdem ist so eine Veranstaltung immer eine nette Zusammenkunft von Hundebesitzern aus dem Klub für ungarische Hirtenhunde. Die Nachzuchtkontrolle fand zu einem günstigen Zeitpunkt in relativer Nähe statt, so dass wir dorthin fuhren. Und, was soll ich sagen? Neben uns (für einen selbst ist der eigene Hund natürliche immer der Beste) waren alle anderen auch von Elwood begeistert. Nachzuchtkontrolle: Check! Der erste Schritt war gemacht.

Was keine Erfordernis ist, aber als Clubmitglied auch dazu gehört – meiner Meinung nach – ist die Teilnahme an einer Klubschau. Auch diese ist immer eine schöne Veranstaltung, bei der man mit Hundebesitzern aus dem Klub aus ganz Deutschland in Kontakt kommt. Dort ging der kleine Elwood zum ersten Mal in den Ring und bekam auch gleich eine Anwartschaft für den Jugendchampion. Und wenn man schon eine Anwartschaft hat, kann man ja auch versuchen, weiter daran zu arbeiten. Da bis zur Ankörung (Zuchtzulassung) noch ein wenig Zeit war, besuchten wir ein paar Ausstellungen. Das war auch eine gute Möglichkeit für diese tolle Rasse Werbung zu machen. So wurde Elwood bei dieser Gelegenheit noch Deutscher Jugendchampion.

Und dann kam der Tag der Ankörung. Hierbei wird zum einen überprüft, ob der Hund dem Rassenstandard entspricht, zuchtausschließende Gründe vorliegen und eine Wesensbeurteilung vorgenommen. Die Ausstellungen waren ein gutes Training zur Vorbereitung auf die Ankörung. Dadurch war Elwood Menschenmassen, verschiedene Geräusche und andere Hunde aller Art gewohnt. Außerdem war er es gewohnt, dass andere Personen ihn anfassen und er dabei ruhig stehen bleiben soll. Auch wusste er genau, wie er sich zu präsentieren hat. Mit diesen Voraussetzungen war es kein Wunder, dass die Richterin erneut begeistert von unserem Sonnenschein war. Somit war der kleine Elwood also angekört und bereit erwählt zu werden. Im Gegensatz zu der Menschenwelt – wo zum Großteil immer noch der Mann um die Frau wirbt – sind es in der Hundezucht die Weibchen (bzw. deren Besitzer), die sich beim Rüden(besitzer) melden. Irgendwie ein Stückweit Emanzipation. Blieb nur noch, ein Bild und die erforderlichen Daten an den Zuchtwart zu schicken, damit er auf der Homepage des KfUH in die Deckrüdenliste (Bergische Bergamasker Elwood) aufgenommen werden konnte. Dann hieß es nur noch abzuwarten, bis sich eine Hundedame, bzw. deren Besitzer bei uns melden würde.

Die (erlösende) E-Mail kam dann im Sommer diesen Jahres von einer Schweizer Zuchtstätte, als wir an der Ostsee in Urlaub waren. Die Züchterin teilte uns mit, dass ihre Hündin im Herbst läufig werden würde. Normalerweise ist es so, dass die Hündin zum Rüden kommt, damit er sich in seinem eigenen Terrain sicherer fühlt. Die Erfolgschancen sind dann höher, wir Männer sind ja so leicht zu verunsichern. In diesem Fall gab es allerdings ein paar organisatorische Probleme bei der Züchterin und eine Reiselust bei uns. Deshalb entschieden wir uns so einen zweiten Urlaub in der schönen Schweiz einzulegen. Ende August war es so weit und wir fuhren in das Berner Land.

Ein paar Zweifel gab es da schon: Sind die Beiden sich sympathisch? Weiß Elwood was zu tun ist?  Bisher lief es ja so, dass er stets gebremst wurde, wenn er „aufsteigen“ wollte. Und jetzt sollte er nur nicht nur können dürfen, sondern es sollte auch etwas daraus entstehen. Zum Glück wurden wir von befreundeten Deckrüdenbesitzern in einem Crashkurs auf das Bevorstehende vorbereitet. Zudem kann man sich in der heutigen Zeit sehr gut in diversen Foren im Internet informieren. Hier kann man sich auch das eine oder andere Video über den Deckakt  (auch „Hundehochzeit“ genannt) ansehen. Und das unterscheidet sich zu unserem Erstaunen doch erheblich zu dem üblichen Aufreiten, wie es sonst beim „Dominianzgehabe“ praktiziert wird. Das eine ist hauptsächlich zum Klären einer Rangfolge. Der entscheidende Unterschied ist das „Hängen“, wenn -laienhaft ausgedrückt- der Penisknochen in der Vagina feststeckt und die beiden Tiere quasi Hintern-an-Hintern verharren. Dieser Zustand kann eine halbe Stunde dauern und die beiden Tiere dürfen nicht getrennt werden, da es hier zu Verletzungen kommen kann. Unerfahrene Hunde könnten in Panik verfallen, da sie nicht weg können.  Diese Stellung ist sehr ungewöhnlich anzusehen und einige Männer werden sich das auch kaum vorstellen können oder wollen. Tatsächlich ist dieses Verharren evolutionär bedingt, da die werdenden Eltern in der Zeit des Hängens sich auf diese Weise nach allen Seiten absichern und etwaige Feinde abwehren können. 

Das erste Treffen mit der Züchterin und der Hündin war noch ganz zwanglos (wobei dies nicht wörtlich zu nehmen ist, da wir in dieser Beziehung  keinen Zwang ausüben), zum Beschnuppern quasi. Sowohl die Menschen als auch die Hunde waren sich auf Anhieb sympathisch. Ab dem nächsten Tag sollte es bei der zukünftigen Braut soweit sein und wir trafen uns an einem schönen lauschigen Plätzchen, wo man sich ganz ungestört näher kommen konnte.

Schon als sich das Auto mit der Braut näherte hob Woody die Nase in die Luft und er freute sich auf das Wiedersehen. Die Braut war  ebenfalls sehr erfreut und so wir liefen ein Stück in das Feld, so dass wir abseits von der Straße und allzu neugierigen Blicken geschützt waren. Kaum waren die zwei von der Leine los, tollten sie auch schon über die Wiese. Ein Vorspiel nach Hundeart. Hierbei wird gespielt und abwechselnd aufgeritten, wobei es in diesem Fall egal es ist, von welcher Seite. Das ist zum Teil echt lustig anzusehen, wenn seitlich aufgeritten wird. Irgendwann blieb die Braut stehen und legte die Rute zur Seite. Eine eindeutigere Einladung gab es quasi nicht und Woody ließ sich auch nicht zweimal bitten. Aufsteigen – und ein fragender Blick Richtung Herrchen. Aber wir machten natürlich keine Anstalten irgendetwas zu unterbinden. Also tobte er sich aus. Und das quasi wortwörtlich. Aber irgendwie passte es einfach nicht. Sehr häufig war er einfach zu tief zu weit weg, usw. Es ergaben sich nichts als „Luftnummern“ und sehr bald schon waren beide erschöpft. Die Züchterin beruhigte uns dahingehend, dass es ganz normal sei, wenn es beim ersten Mal nicht klappt und dass bei ihrer Hündin der Zeitpunkt vielleicht noch nicht ganz ideal sei. Wir gingen noch ein Stück weiter und ließen sich die Verliebtenaustoben. Schließlich fanden wir noch ein richtig lauschiges Plätzchen – ein kleiner Tümpel in einer Kiesgrube mit einer Bank. Hier wurde sich erst einmal erfrischt und noch ein wenig ausgetobt. Aber – außer Spesen nichts gewesen – wie es so schön heißt. Aber wir hatten ja noch ein paar Tage vor uns. So verabschiedeten wir uns nach dem schönen Tag und verabredeten uns für den Nächsten noch einmal.

Neuer Tag, gleiche Dame, gleicher Parkplatz – unser kleiner Sonnenschein war schon richtig aufgeregt, mindestens so sehr wie wir. Kaum näherte sich das Brautauto konnte man richtig sehen, wie sich die Vorfreude bei Elwood verstärkte. Und auch seine Braut schaute auch schon in freudiger Erwartung aus dem Fenster.  Dass der Zeitpunkt diesmal besser war, war sofort klar, da die Braut auf dem Parkplatz gleich die Rute zur Seite legte und sich direkt anbot. Aber nicht so schnell mit den jungen Pferden… äh Hunden. Wir gingen wir noch ein Stück, um ein ruhigeres Plätzchen zu finden. Diesmal zog es uns zu einer kleinen Fischerhütte an der Alten Aare. Kaum von der Leine, ging es auch gleich zur Sache. Es bot sich das  gleiche Bild wie am Tag zuvor: Sie hatten richtig Spaß – aber an der Zielgenauigkeit musste Elwood wirklich noch üben. Eigentlich wollten wir schon wieder aufgeben aber er setzte noch einmal an – und diesmal klappte es. Jetzt war auch deutlich zu erkennen, dass dieser Versuch von Erfolg gekrönt war.  Elwood hing auf ihrem Rücken, während er mit den Hinterbeinen immer schneller trippelte und einen ganz verzückten Gesichtsausdruck auflegte. Dann verharrte er still. Jetzt kam der Einsatz der Besitzer, die beruhigend auf ihre Hunde einwirkten und mir fiel die Aufgabe zu, Elwood beim Absteigen zu helfen so dass sie schließlich in der typischen „Hintern-an-Hintern-Position“ verharren konnten. So hingen sie für ca. 6 Minuten zusammen, wobei beide Hunde hierbei erstaunlich gelassen waren. Und uns fiel ein Stein vom Herzen. Anschließend waren beide sehr kuschelbedürftig. Ein Foto daraus wurde von einem Bekannten auch recht treffend mit „der Sextourist bedankt sich bei seiner Zuhälterin“ betitelt. Nach einer kurzen Regenerationszeit stießen wir bei einem schönen Abendessen in der Zuchtstätte auf den Erfolg an.  Hier ließ Elwood es sich nicht nehmen und wollte den Erfolg gleich noch einmal wiederholen. Gehangen sind sie zwar nicht – aber wer weiß schon ob es nicht trotzdem ein erfolgreicher Versuch war?

Wir nutzten die Zeit außerhalb der „Paarungstreffen“, um uns die Gegend etwas anzuschauen. Murten, Bern, Biel/Bieler See –  alles sehr schöne Orte. Wobei man sich hierbei Biel vielleicht als erstes vornehmen sollte, sonst ist man doch eher enttäuscht.

Die nächsten Tage liefen dann immer ähnlich ab. Nach einem gemütlichen Frühstück folgte ein kleinerer Sightseeing-Ausflug in die nähere Umgebung und hinterher ging es zum Stelldichein, welche ab jetzt jedes Mal von Erfolg gekrönt waren. Die Hängezeiten verlängerten sich von Treffen zu Treffen. Einmal stieg Elwood nach getaner Arbeit sogar zu seiner Braut ins Auto und war fast nicht davon zu überzeugen, in das eigene Auto zu wechseln. Auch ein drohendes Gewitter hielt die beiden Liebenden am vorletzten Treffen nicht davon ab, sich zu vergnügen. Und Elwood ist bei Gewitter normalerweise sehr verunsichert.

Dann stand der Tag der Abreise bevor und wir trafen uns noch ein letztes Mal zum Abschiedskaffee. Okay – für uns war es ein Abschiedskaffee. Die frisch Vermählten ließen es sich nicht nehmen, sich auf andere Weise zu verabschieden und es störte sie hierbei auch nicht, dass wir in einem Stadtpark waren und eine Grundschulklasse während des Hängens das Paar passierte. Ich wüsste nur zu gerne, wie die Lehrer ihren Schützlingen das erklärten….

Nach dem Abschied begann die lange bange Zeit des Wartens. Am 14.09.2020 kam die nächste frohe Botschaft: Acht kleine „Woodyherzchen“ wurden als Ultraschallbild über einen Messenger zugesandt. Riesenfreude gepaart mit einem kleinen bisschen Unbehagen: Wird weiterhin alles gut gehen?

Die endgültige frohe Botschaft kam dann erneut vier Wochen später mitten in der Nacht: 8 gesunde Welpen erblickten nach und nach das Licht der Welt. Quasi per Liveübertragung durften wir daran teilhaben und hatten eine ebenso schlaflose Nacht wie die Züchterin selbst. Mittlerweile haben sie die Augen geöffnet und sie erkunden ihre kleine Welt. Bald werden sie die große Welt erkunden und zu ihren neuen Familien ziehen – die nächste Generation ist bereit für weitere Abenteuer ( https://cielostellato.ch/ ).

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