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Leas Anfänge an den Schafen – das Furchelaufen

Text und Fotos: Katharina Peer

Hier kommt eine Fortsetzung zu Teil 1 Lea – ein Alpenhütehund? :

Teil 2 – Leas Anfänge an den Schafen – das Furchelaufen

Im Frühling 2020 versuchte ich Lea gleich mit dem Erscheinen der Schafe auf den Weiden an das Hüten heranzuführen. Jede Gelegenheit nahm ich wahr, bei hinter Elektrozäunen weidenden Schafen stehenzubleiben und Leas Interesse zu wecken. Dabei habe ich es auch geschafft, ihr ein zu paar recht schmerzhafte Erfahrungen mit dem Zaun zu verhelfen – was zum Resultat hatte, dass sie begann, einen weiten Bogen um Schafe zu machen. Mist, mein Übereifer gepaart mit Leas Fähigkeit, Verknüpfungen sehr schnell abzuspeichern, hat wohl eher das Gegenteil erreicht.

Dann endlich eine Möglichkeit: auf meine Frage, ob ich mit Lea beim Schafauftrieb dabei sein könne, antwortet ein Bauer: „Ja passt, morgen um 9 geht´s los, am Eingang zum Schmirntal, die Schof sigsch eh glei…“ Was, morgen früh?? Wie wird das Gelände sein, wieviele Schafe, was meine Aufgabe? Dementsprechend planlos verlief der Tag: die Schafe waren auf der riesigen Talweide so verstreut, dass ein Bordercollie am Anfang besser geeignet gewesen wäre. Oder zumindest ein ausgebildeter Bergamasker. Ein Teil der helfenden Großfamilie hatte außerdem schon begonnen, die Schafe aufwärts zu treiben, so dass wir nur die letzten Nachzügler einsammeln konnten. Die gleich darauf hinter den anderen Schafen „diritissima“ die ersten 600 Höhenmeter hinaufrannten. Naja, bei den Schafen sah es nicht wirklich nach Rennen aus, aber ich hatte keine Chance und torkelte mit Lea gerade noch auf Sichtweite hinter allen her. Die letzten 200 Höhenmeter führten entlang eines flachen Forstwegs, was ideal gewesen wäre, Lea in ihre Aufgabe einzuführen und die 300 Schafe auf dem Weg zu halten. Leider war mein Abstand inzwischen so groß, dass wir die Herde erst einholten (eigentlich hätten wir am Kopf der Herde sein sollen!), als der Forstweg in einen schmalen Steig durch Lawinengalerien überging. Immerhin, hier war alles langsam und wir konnten zumindest die kleinen Lämmer langsam durch die Grünerlen drücken – nach einer viertel Stunde waren wir im Almkessel angelangt und unsere Aufgabe erledigt. Lea fing sich noch eine kleine Attacke von einem Mutterschaf ein, wodurch ihr Interesse wieder einmal gedämpft wurde, und ich war demotiviert.

Eine Gelegenheit hatten wir noch, Schafe beim Umkoppeln zu begleiten, diesmal gelang es mir, Lea mehr Selbstbewusstsein zu geben und mit ihr zusammen die Schafe zu bewegen. Aber der große Schritt waren die fünf Tage, die wir im Sommer bei einem Schäfer in Baden-Württemberg verbringen durften. Da hatten wir endlich Zeit mit den Schafen. Und Zeit ist notwendig, wenn man das Hüten an einer großen Schafherde üben will. Mit mehreren 100 Schafen ist es schwer möglich, Situationen so stellen, dass man bestimmte Aufgaben üben kann. Man muss abwarten, bis sich die Situationen im Alltag ergeben…

Am ersten Tag musste Lea erstmal die Nähe der Schafherde aushalten. Anfangs war sie sehr ängstlich und wollte rückwärts ausweichen, wenn wir den Auslass vom Pferch bewachen sollten. Das ist notwendig, damit die Schafe nicht drängeln und den Zaun umrennen. So viele Schafe sind schon beeindruckend, die Bewegung der Masse kann einem schon Angst machen J . Während dem Grasen musste sie angeleint mit mir und dem Schäfer an der Grenze stehen, über die die Schafe nicht fressen dürfen. Diese Grenze heißt „Furche“ und ist manchmal leicht zu erkennen, wie zwischen dem hohen, trockenen Gras der Streuobstwiese, und dem frisch gemähten Grün der angrenzenden Fläche. Gegen Abend durfte sie frei an der Grenze auf und ab laufen, mit meiner Hilfe traute sie sich schon, einzelne Nascher zurückzutreiben.

Am nächsten Tag ging es bereits etwas besser, Lea lief schon fast 20m weit, um Schafe wieder auf ihre Fläche zu scheuchen, und lief dazu auch mal schon kurz ums „Eck“. Die Furche schien sie schon begriffen zu haben, ich musste sie kaum korrigieren, wenn sie im Eifer zu den Schafen reinlaufen wollte (das ist absolut tabu!). Der dritte Tag war dann unsere große Herausforderung: wir waren zu zweit selbständig für zwei Seiten der Weidefläche verantwortlich. Da diesmal keine offensichtliche Grenze vorhanden war, mähte uns der Schäfer extra eine Furche ins hohe Gras. Und diese Grenze mussten wir mit Zähnen und Klauen verteidigen. Lea war mit Feuereifer dabei. Sie wusste zwar selbst noch nicht so richtig, wann ihr Einsatz war, aber wenn ich sie auf eine Grenzüberschreitung aufmerksam machte – durch ein kleines Zischen oder eine Bewegung – ging sie ab wie eine Rakete. Wow! War das eine Energie! Vergeblich versuchte ich sie durch „Laangsaam!“ zu einem kontrollierteren Vorgehen zu bewegen! Aber dieser starke Trieb ist wohl eine ihrer Stärken. Am vierten Tag patrouillierte sie schon beide Seiten mit meiner Hilfe, ohne das Eck abzuschneiden. Okay, eigentlich patrouillierte sie nicht, sondern saß oder lag mit Blick auf die Schafe, bis ich ihr einen Hinweis gab. Sie machte ihre Sache wohl gut, am Ende war der Schäfer sichtlich zufrieden mit uns.

Nur wenn die Herde in Bewegung war, durfte Lea noch nicht mitmachen, da bestand ihre Aufgabe erst mal im Ruhe bewahren. Was schwer genug für sie war, in ihrer Erregung winselte und kläffte sie oft. Ein Verhalten, das sie schon als Welpe hatte, dass wir aber mittlerweile zumindest halbwegs im Griff haben. Unsere erste Aufgabe, das Furchelaufen, hatten wir also in den Grundzügen begriffen. Nur können wir das bei uns in den Bergen noch kaum einsetzen, da sind ganz andere Qualitäten gefragt, wie wir bald merken sollten…

Bis bald wieder Eure Katharina

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