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Lea – ein Alpenhütehund?

Text und Fotos: Katharina Peer

Bald ist es endlich soweit – Lea darf zu ihrem ersten Arbeitseinsatz mit den Schafen! Das heißt, wenn mir der Bauer rechtzeitig Bescheid gibt – das ist immer so eine Sache mit der Kommunikation …

Ich bin schon sehr aufgeregt. Hütehunde haben mich schon immer fasziniert. Bei meiner Arbeit in Schutzgebieten habe ich mich viel mit Landwirtschaft und der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft beschäftigt. Da ist in letzter Zeit die Schafhaltung auf den Almen immer mehr zum Thema geworden. Der Wolf kommt auch in Österreich zurück, und auf den weitläufigen Almen werden die Schafe meist lange Zeit sich selbst überlassen. Sie verteilen sich in Kleingruppen, und sind natürlich leichte Beute für den Wolf. Herdenschutz ist in aller Munde, aber der Beitrag, den Hütehunde dazu leisten, wird kaum erwähnt. Wenn sie eingesetzt werden, sind es meist Border Collies, und von vielen Seiten höre ich, dass das nicht gut funktioniert.

Da habe ich nachgeforscht, welche Hütehunde in den Alpen früher eingesetzt wurden. Meine Idee war, selber einen Hund auszubilden, und den Bauern hier in der Umgebung schmackhaft zu machen. Eventuell auch später zu züchten, wenn dadurch Nachfrage entstehen würde. Und so ist der Plan, eine Hundepause einzulegen, wenn uns unser alter Sancho mal verlassen wird, den Bach runtergegangen. Ich wollte einen familientauglichen Hütehund aus einer nahegelegenen Region, der uns auch als Nicht-Schafhalter glücklich machen würde.

Ein alter Schlag, der Tiroler Bergspitz, ist quasi ausgestorben, und war nie eine eingetragene Rasse. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf den Bergamasker Hirtenhund (früher Alpenhirtenhund) gestoßen. Briards haben mir immer schon gut gefallen mit ihrem eleganten Gang und Körperbau. Und der Bergi ist da wirklich sehr ähnlich! Bald war die Entscheidung getroffen, und im August 2019 ist die kleine Lea bei uns eingezogen.

Angangs war sie sehr zurückhaltend, das ist uns schon beim Züchter aufgefallen. Aber gleichzeitig mutig, nach kurzem Einschätzen der Lage hat sie sich meist allen Herausforderungen gestellt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Rasse (bzw. Lea) für unerfahrene Hundehalter als Familienhunde zu empfehlen ist. Da lauert schon einiges Potential zu Entwicklung von Problemverhalten – sie sucht einfach immer nach Beschäftigung und nimmt alle Reize war. Von Bellen im Garten über Anspringen von Leuten, jagen von Radfahrern oder Kaninchen, buddeln von Löchern, ausufernd wildes Spielen bis zu Jaulen beim Alleingelassen werden…. wir hatten schon viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Aber gleichzeitig lernt sie auch so eifrig und lässt sich so gut führen, dass wir bisher alles in den Griff bekommen haben. Naja, das mit den Kaninchen nur solange ich dabei bin. Und sie ist einfach immer gut drauf und überall dabei.

Die erste Sozialisierung mit Schafen haben wir im Herbst 2019 begonnen, bei einem Trainer in Norditalien konnte sie auch schon ein bisschen Hüteerfahrung in der Koppel sammeln. Dabei hat sich gezeigt, dass ihre Zurückhaltung durchaus ein Vorteil ist. Wenn sie nicht mehr weiterwusste, hat sie sich einfach zurückgenommen und abgewartet, anstatt wild drauf los zu stürzen. Sie sollte noch mehr Selbstsicherheit bekommen, und diesen Frühling wollten wir so richtig loslegen.

Leider ist uns Corona dazwischengekommen. Norditalien und die Schweiz, wo ich Kurse und Trainingseinheiten besuchen wollte, sind in weite Ferne gerückt. Bleiben nur die Bauern in meiner Nachbarschaft – und tatsächlich kann Einer gut Hilfe gebrauchen, um seine Schafe ca. 1 Stunde auf die Weide zu treiben. Nun wird es ernst, und ich muss ohne professionelle Anleitung versuchen, ihr einen guten Einstieg ins Hüten zu verschaffen. Ich habe viel gelesen, habe herausgefunden, dass Bergamasker Furchengänger bzw. Schäferhunde sind, so wie die Altdeutschen Hütehunde, oder auch Briards. Diese sind im Gegensatz zu Koppelgebrauchshunden wie dem Border Collie nicht hauptsächlich dazu da, die Schafe von einer Weide einzusammeln, sondern große Herden auf ihren Wanderungen zu begleiten und den Weideplatz als „lebender Zaun“ zu begrenzen. Ich habe gelesen, dass Schäferhunde dazu tendieren, nahe bei den Schafen sein, und aber dafür die Schafe nicht fixieren. Dadurch verringern sie den Druck. Ich weiß, dass Bergamasker eher flankieren, dass das „Um und Auf“ die Balance ist, und und und

Aber das ist halt alles nur Theorie. Wie werde ich das an den Schafen hinkriegen? Wir haben die Grundkommandos wie Sitz, Platz, Bleib, Steh, Hier und Stopp schon gut intus. Bei voran wird es schon sehr wackelig, und mit links-rechts und Furche habe ich grade angefangen. Hmm, da wird es viel auf meine Körpersprache ankommen, und auf ihr Talent natürlich. Ich werde von ihren Einsätzen und Abenteuern berichten …

Bis bald! Eure Katharina

2 Comments

  1. Susanna Batteiger-Ege says:

    Toll geschrieben. Vor allem auch die Herausforderung die in unseren Hunden steckt. Was toll angelegt ist, kann ordentlich Probleme machen. Eben wie bei JEDEM anderen Hund auch. ALLE brauchen unsere Anleitung. Ich wünsche euch ganz viel Spaß und Freude beim Lernen. Ja Corona hat vielen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Freu mich auf die Fortsetzung. Viel Spaß weiterhin.

    1. Katharina Peer says:

      Ja genau, man lernt auch mit jedem Hund dazu – jeder hat neue, ungeahnte Problemfelder! Andererseits hatte ich auch mal einen ganz, ganz unkomplizierten, es gibt sie also schon, die Anfängerhunde 🙂

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