Text und Fotos von Berit Langer
So schön die täglichen Spaziergänge in den heimischen Rebbergen am Oberrhein auch sind, so schön und aufregend ist es auch, mit Peppone immer wieder mal in eine andere Umgebung einzutauchen. Nun haben wir im Oktober 2025 an der Ausstellung in Tulln teilgenommen – waren erfreulicherweise auch sehr erfolgreich – und da hat es mich doch „gejuckt“… Jetzt waren wir so nah an Wien, ja, nicht einmal eine Stunde war die österreichische Hauptstadt von uns entfernt. Und ich war erst ein paar Monate zuvor alleine auf Sightseeing-Tour dort gewesen und hatte die Wege noch ungefähr im Kopf. Das ist doch eigentlich die Gelegenheit!
Und so packte ich nach der Ausstellung den Rucksack entsprechend um und dann ging es vom Tullner Bahnhof aus mit dem Zug (brav, wie in Österreich offiziell für alle Hunde, die nicht in einer Transporttasche reisen, vorgeschrieben mit Maulkorb) zum Franz-Joseph-Bahnhof in Wien. Von dort aus fuhren wir dann noch ein paar Stationen mit der Straßenbahn zu dem von mir ausgeguckten Ausgangspunkt unseres Stadt-Spaziergangs. Schon im Zug und der Straßenbahn zog Peppone mit seinen Zotteln viele Blicke auf sich.
Beim Rathaus angekommen spazierte ich zunächst durch die angrenzende Grünanlage, in der Hunde angeleint erlaubt waren, sodass Peppone sich erstmal ein wenig von der Anfahrt erholen und vor allem erleichtern konnte. Auch die ersten Erinnerungsfotos wurden bei zwei großen Schriftzügen gemacht und die ersten neugierigen Fragen mehrerer Passanten beantwortet. Weiter ging es dann am Rathaus und am Österreichischen Parlament vorbei – auch hier mit Fotostopps und kurzen Pausen, da auch hier unterwegs immer wieder Menschen kamen, die Peppone einmal fotografieren und/oder sein Fell anfassen und ein paar Fragen bei mir loswerden wollten.
Beim Marien-Theresien-Platz angekommen ging es dann einmal über die Straße hinüber zur Hofburg. Zwischendurch wurde Peppone mit Wasser und ein paar Stückchen Wurst, die noch von der Ausstellung übrig waren, versorgt – und dann gewannen andere Vierbeiner Peppones Aufmerksamkeit: Die Fiaker-Pferde. Wir haben selbst Pferde zu Hause und somit sind diese Tiere für Peppone keine Unbekannten, aber natürlich sind die Fiaker-Pferde in Wien nicht unsere und man
konnte beides Peppone anmerken. Beim Anblick der Pferde schaute Peppone ganz verwundert hoch – plötzlich gab es wohl keine interessanten Gerüche auf dem Weg mehr – und er fing an zu wedeln und in die Richtung der behuften Vierbeiner zu ziehen, bis er merkte, dass das nicht seine PHS‘s (Persönliche Hütesubjekte) waren und nun folgte leichte Verwirrung. Man sah ihm die Zerrissenheit zwischen Vertrautheit und Befremdung förmlich an.
Auf der anderen Seite der Hofburg angelangt, wollte ich nun endlich auch ein Bild zusammen mit Peppone und der Hofburg machen und so schaute ich mich nach einer halbwegs vertrauenswürdig aussehenden Person um. Diese war bald gefunden und da Peppone recht zuverlässig erzogen ist, ließ ich ihn ganz kurz an der Stelle sitzen, wo ich mich mit ihm zusammen postieren wollten, ging die zwei Meter zur auserkorenen Person, drehte dabei Peppone für keine zehn Sekunden den Rücken zu, um wegen des Fotos zu fragen und als ich mich wieder zu Peppone umdrehte, um mich zu ihm zu stellen… da saß Peppone noch immer brav an Ort und Stelle, war allerdings (mal wieder) von einer asiatischen Reisegruppe umringt, die diesen skurril aussehenden Hund unbedingt fotografieren wollten. Am Ende bekam jeder sein Foto – auch ich. Und weiter ging der Spaziergang.
Über Kohlmarkt und Graben ging es dann bis zu unserem Spaziergangsziel, dem Stephansdom. Unterwegs wurden wir natürlich noch unzählige Male angesprochen: Wie man dieses Fell pflegt, wo die Rasse herkommt und wie sie heißt. Besonders herzig fand ich jedoch zwei Kinder. Das erste, ein etwa fünf oder sechsjähriges Mädchen kam verschüchtert zu mir: „Entschuldigen Sie, darf ich ein Bild mit dem Hund machen?“ Natürlich durfte sie. Ganz stolz stellte sie sich neben Peppone und ließ sich von ihrem Vater mit Peppone fotografieren. Nur zwei Minuten später kam ein Mann mit seinem Sohn auf mich zu und fragte, ob dieser denn Peppone einmal streicheln dürfte. Peppone genießt diese Extrastreicheleinheiten und der Junge konnte sich kaum von Peppones Fell lösen – „Wir haben einen Alaskan Malamute, die haben ja auch viel Fell, aber nicht so.“, versuchte der Vater lachend die Faszination seines Sohnes zu erklären.
Und dann waren wir auf dem großen Vorplatz des Stephansdoms angelangt. Gibt man diese Strecke bei Google ein, so wird einem angezeigt, dass die Strecke etwa 2,0km lang ist und am Stück gelaufen knapp eine halbe Stunde dauert. Dass ich das zeitlich nicht einhalten konnte, war mir schon vorher klar gewesen, immerhin wollte Peppone
unterwegs auch ein paar interessante Gerüche abklären und ich mit meiner Kamera ein paar Erinnerungen einfrieren. Dass wir für diese Strecke jedoch fast zwei Stunden brauchten lag auch an den vielen Schau- und Streichellustigen – also kleiner Tipp für alle, die mit ihrem Bergamasker einen Ausflug in eine belebte Gegend planen: Plant viel Zeit ein!
Nun folgte nochmal etwas Neues – Straßenbahn, Zug, Bus, sogar Seil- und Standseilbahn ist Peppone schon gefahren, doch die U-Bahn war eine Premiere. Es ging also in den Untergrund des Stephansplatz; natürlich mit dem Aufzug und natürlich nicht ohne Aufmerksamkeit – noch vor dem Aufzug wartend, wurde ich um ein Selfie mit Peppone gefragt. Ein bisschen fühlte ich mich schon wie ein Bodyguard eines Mega-Stars. Unten angekommen zog ich Peppone wieder vorschriftsmäßig den Maulkorb an – auch dieses Training hatte sich nun bezahlt gemacht; gut auf alle Situationen vorbereitet zu sein – und ich muss schon sagen, es sah wieder total bekloppt aus und hatte dieses unfreiwillige „Outfit“ an diesem Tag in der Bahn schon mehr als einmal für Lacher gesorgt: „Ach, der sieht aber doch so lieb aus“. Aber Regeln sind Regeln und gelten für alle. Mit der U-Bahn ging es dann zum Wiener Westbahnhof – ganz unspektakulär, als ob Peppone noch nie etwas anderes gemacht hätte, als U-Bahn zu fahren; eine gute Vertrauensbasis und Bindung lohnt sich einfach wirklich! – und dann per Zug zurück zum Hotel.
Und nun wird es auch wieder die Menschen geben, die jetzt sagen: „Und jetzt? Was soll das? Was hat der Hund denn von sowas, davon vor irgendwelchen Gebäuden in einer Großstadt zu sitzen und fotografiert zu werden? Was bringt es ihm, durch die Menschenmengen da zu laufen?“ Naja, theoretisch natürlich nichts. Tatsächlich aber dann doch: Es ist ein gemeinsames Abenteuer, eine gemeinsame Aktivität, ein gemeinsames Erlebnis – etwas, das Vertrauen und Bindung schafft. Außerdem freue ich mich darüber, freue mich über die in Bildern festgehaltenen Erlebnisse und ich wachse auch immer selbst ein bisschen an solchen Herausforderungen, werde sicherer und kann dadurch auch Peppone mehr Sicherheit geben – und genau diese Freude und dieses Selbstbewusstsein spürt auch Peppone und überträgt sich das auf ihn. In der Folge ist dann auch er fröhlich drauf und nicht unnötig gestresst. Denn seine Sicherheit und sein Wohlbefinden stehen für mich bei solchen Abenteuern immer an erster Stelle.
Und so macht es wirklich auch Spaß mit einem Bergamasker für ein paar Stunden mal in so eine Großstadt einzutauchen, etwas zu erleben und einfach die Zeit gemeinsam miteinander zu verbringen.
Eure Berit mit Peppone












