Blog

Holi Dogs Foto-Shooting – ein Shooting der anderen Art – Oder: „bekannt wie ein bunter Hund“

Text: Alexander Seitz

Fotos: Antje Hachmann

Eine Nachricht über WhatsApp brachte den Auslöser: „Der Elwood ist doch wie gemacht dafür, es sind noch Plätze beim Holi Shooting frei“. Holi, wer, wie, was? Ich kenne die Holi Festivals, die ihren Ursprung in den hinduistischen Frühlingsfesten haben, bei denen sich die Leute zu Musik mit Farbpulver bewerfen. Holi Dogs – Farbpulver und Hunde. O.k. 

Fotografin ist Antje Hachmann, die sich darauf quasi spezialisiert hat (https://www.antjehachmann.com/holi-dogs/). Sie kam auf die Idee, als sie 2013 für ein Tierschutzprojekt sog. Listenhunde einmal völlig anders und besonders positiv in Szene setzen sollte. Bei ihrer Recherche kam sie über die Farben des indischen Frühlingsfestes zum nepalesischen „Kukur Tihar“ – dem Tag der Hunde. An diesem Tag innerhalb des Kukur-Festes werden die Hunde im Nepal gefeiert, sie werden mit buntem Puder verziert und bekommen Blumenketten umgehängt. Laut dem Glauben der Hindu ist der Hund der Bote des Lord Yamaraj. Yamaraj ist der Gott des Todes, was den Hund demnach noch wertvoller macht, als er als tierisches Familienmitglied sowieso schon ist. Antje Hachmann legt beim Shooting allergrößten Wert darauf, dass sich jeder Hund beim Shooting wohl fühlt und zu nichts gezwungen wird. Sobald Anzeichen von starkem Stress auftreten wird ein Shooting abgebrochen.  Es werden auch keine Shootings mit Hunden unter zwölf Monaten oder Getreideallergikern zugelassen.

Verwendet wird das sogenannte Gulal-Pulver, welches aus biologischen Komponenten (Maisstärke, die mit Lebensmittelfarbstoffen eingefärbt wird, ein reines Naturprodukt, was keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthält) besteht und die Fotografin nach eigenen Angaben monatelang an sich selber getestet hat.

(Quellen: https://rp-online.de/nrw/staedte/langenfeld/tierfotografin-setzt-hunde-farbstark-in-szene_aid-20518931 und https://www.kreiszeitung.de/lokales/oldenburg/wildeshausen-ort49926/tierisch-schoen-fotografin-setzt-hunde-szene-9941769.html)

Soviel zum Hintergrund des Shootings. Das hört sich ja alles nicht schlecht an. War meine Sorge noch, wie gut das Pulver, aus dem doch sehr eigenen Fell eines Bergamaskers wieder rausgeht. Gut hier kam mir bei meinen Überlegungen tatsächlich die Corona-Situation zugute. Es finden keine Ausstellungen statt und da stört es mich nicht, wenn ich ein paar Tage einen bunten Hund habe. Also habe ich dem Shooting zugesagt.

Der Tag des Shootings nahte und das Wetter war wechselhaft. Tags zuvor hatte es noch geregnet und am Morgen des Shootings auch ein wenig. Regen und feines Pulver vertragen sich eigentlich nicht, aber zum Glück hörte es gegen Mittag auf mit Regen und es war nur noch teilweise bewölkt. Idealvoraussetzungen eigentlich. Als ich auf den Platz kam, waren die Spuren der vorangegangenen Shootings noch zu sehen: ein bunter Rasen.

Mein Eindruck von der Fotografin: in den Interviews, die ich oben erwähnte, steht nichts Falsches. Sie achtete darauf, dass sich die Hunde wohl fühlen und auch ihren Spaß haben. So ein Shooting dauert auch nicht lange, etwa mal rennt der Hund eine kleine Strecke. Was sollte der Hund können? Ruhig sitzen oder liegen bleiben und auf Abruf zu seinem Herrchen rennen. Wahlweise auch mit Hindernis. Also keine große Herausforderung.

Vor mir war noch ein Zwergpudel dran, der sich nicht an dem Pulver störte und einen Riesenspaß am Rennen hatte. Dann war Elwood an der Reihe. Noch ein Plätzchen gesucht, wo der Rasen noch grün war und es konnte losgehen.

Elwood legte sich also auf Kommando hin und ihm wurde eine Handvoll Farbpulver auf die Vorderpfoten und die Schulterblätter gelegt. Ich stellte mich nah hinter die Fotografin, so dass Elwood direkt auf sie zu rennt. Und rennen kann er. Das Pulver störte ihn nicht beim Liegen und auf Kommando explodierte er in einer Farbwolke. Bei der zweiten Runde bekommt Elwood noch eine Handvoll Farbe auf den Kopf. Auch das stört ihn nicht und verleiht Elwood einen pinkfarbenen Irokesen beim Lossprinten.

Nächste Runde: Elwood liegt mit dem Rücken zu mir, so dass er sich drehen muss, bevor er losrennt. In der Drehung stellen sich die Dreads und in der Wolke kommen mir spontan Vergleiche mit einem Stegosaurus in den Sinn. Zwischendurch wird Elwood mit einem Spielzeug aufgelockert – es ist nicht nur ein Fotoshooting, sondern auch ein Actiontag für meinen Elwood.

Auch zwischen den Sprints gibt es ein paar spezielle Fotos. Wenn die Dreads quasi wie einzeln eingefärbt aussehen oder Elwood sich mal so hinlegt, dass man keine Beine sieht.

Was bleibt noch? Was macht Elwood noch gerne? Darum geht es ja bei dem Shooting – das Pulver ist nur Accessoire. Achja: Bälle! Ein Bild im Sprung zum Ball, garniert mit einer Brise Pulver (also eher ein paar Hände voll Pulver). Also auf den Ball war er ja scharf. Aber – mehr als auf die Hinterbeine stellen war da nicht drin. Elwood dachte sich: Warum soll ich hochspringen, wenn der Ball sowieso runterkommt und ich ihn so fangen kann? Er hatte seinen Spaß dabei – und das Foto ist auch gut geworden. Hier zeigte er noch ein weiteres Talent: den Ball mit den Pfoten fangen. Ich habe im Übrigen nur wenige Hunde gesehen, die ihre Pfoten so zum Halten einsetzen, wie Bergamasker. Ein letzter Sprint, um Elwood noch der Länge nach im gestreckten Lauf abzulichten und er ist fertig.

Zum Glück gibt es auf dem Platz einen Wasserschlauch, damit Elwood erstmal richtig abgeduscht werden kann. Das ist nötig, um den ersten Schwall Farbpulver aus dem Fell zu waschen. Zu Hause geht es dann noch in die Badewanne. Es ist erstaunlich, was trotz der ersten Dusche noch an Farbresten im Fell rausgespült wurde.

Das Ergebnis des Shootings kann sich sehen lassen, wie ich finde. Es sprang eine Serie von 130 einzigartigen Bildern bei der Aktion raus und nun haben meine Frau und ich die Qual der Wahl zu entscheiden, welches Foto wir auf Leinwand drucken lassen.

Ich kann jedem nur dazu raten, dem es nichts ausmacht, dass sein Hund ein paar Wochen nicht nur Farbe ins Leben bringt, sondern selbst die Farbe im Leben ist. Ein paar Wochen später sind immer noch Farbreste zu sehen. Also, wer auf Ausstellungen gehen möchte, sollte es sich gut überlegen. Für alle anderen, die mal Fotos mit echtem Wow-Faktor haben möchten, kann ich die Aktion nur empfehlen. Denn nicht jeder hat ein Familienmitglied, das nicht nur bekannt wie ein bunter Hund, sondern selbst der bunte Hund ist.

Liebe Grüße Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.