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Gaia und die Grüne Woche

Text: Heinrich Söbke

Am Dienstag, dem 22. Januar 2019 um kurz vor 7 Uhr startete er: Der Sondertransport von Gaia zur Grünen Woche nach Berlin. Die Internationale Grüne Woche Berlin – so der volle Name – ist eine traditionelle Landwirtschaftsschau im nun weiteren Sinne in Berlin. Auf der Grünen Woche in diesem Jahr waren wieder Hunde in das Programm integriert worden. Und so hatte der Klub für Ungarische Hirtenhunde einen Stand. Frau Schindler, die Leiterin der Landesgruppe 3, hatte zur Beteiligung aufgerufen und wir hatten uns für zwei Tage gemeldet, die dann auf den Dienstag und Mittwoch der Ausstellung festgelegt wurden, um sicherzustellen, dass der Stand möglichst gleichmäßig besetzt ist.

Auf den Beifahrersitzen des besagten Transportes befanden sich Andrea’s Mutter und deren Freundin, für die der Besuch der Grünen Woche Premiere bedeutete. Nach knapp drei Stunden kamen wir um 10 Uhr an und ich setzte sie am Westkreuz ab, damit sie noch eine Freundin besuchen konnten. Danach war eigentlich für 10:30 Uhr die Ankunft auf dem Stand des KfUH geplant. Tatsächlich angekommen bin ich schließlich um 12:15. Dazwischen lag eine Zeit, in der ich geballt eine Reihe wertvoller Erfahrungen sammeln konnte. Dazu gehörten:

  • Unterschätze nicht die Größe Berlins insgesamt und des Messe-Geländes im Speziellen. Die Metropole Berlin hat inzwischen fast 4 Millionen Einwohner. Das sind doppelt so viele wie das beschauliche Thüringen insgesamt hat. Und das wirkt sich natürlich auf die zurückzulegenden Entfernungen aus. Für das Umlaufen des Messegeländes benötigt man bei schnellem Schritt ca. 45 Minuten.
  • Kenne Dein genaues Zieltor. Und vielleicht auch den dazugehörigen Parkplatz. Die Daten hatte ich bekommen – aber nicht für sooo relevant gehalten.
  • Um Parkplätze in Messenähe nutzen zu können, sollte man besser bis 9:30 Uhr einen solchen besetzt haben.
  • Für den Einlass mit Hund ist nicht jedes Tor geeignet. Bei „falschen“ Toren lassen einen die Einlasser nicht herein, sie wissen aber auch nicht Bescheid, welches das Richtige ist. Außerdem stehen an falschen Toren auch Hundeeinlaßverbotsschilder. Gut es macht Sinn, ein zentrales Tor zu haben. Da lässt sich dann der Gesundheitszustand und der Impfzustand der Tiere kontrollieren – hat aber niemand gemacht.
  • Der alternative, etwas entferntere Parkplatz am Olympiastadion ist durch einen meistens nicht überlasteten alle 10 Minuten abfahrenden Shuttle-Dienst angebunden.

In aller Kürze: Ich habe direkt am Messegelände keinen Parkplatz gefunden, stand bei der Suche nach einem Parkplatz öfter im Stau und habe schließlich aufgrund des freundlichen Hinweises eines Ordners am Olympiastadion geparkt und bin von dort aus mit Gaia und Rucksack zur Messe gelaufen. Zwischendurch wollte Gaia kurz Kontakt aufnehmen mit dem wachenden Schäferhund der (wenn ich mich recht erinnere) pakistanischen Botschaft. Allerdings wusste der Wachhund noch nichts vom durch und durch freundlichen und friedlichen Gemüt Gaias – und hatte scheinbar auch nicht ausreichend Hundekenntnis. Nachdem er sie durch das Tor unfreundlich angebellt hat, ist Gaia spontan von meiner rechten Seite auf meine linke Seite gewechselt und hat ihn keines weiteren Blickes gewürdigt. Mit der in solchen Situationen coolen Gaia sind wir am Zaun vorbeimarschiert – eskortiert vom Hund auf der anderen Seite des Zaunes, der immer mal wieder bellend seinen Kopf durch den Zaun steckte – der Zaun war wohl Maßanfertigung. So hatten sowohl Gaia als auch ich an diesem Tage beide festgestellt, dass nicht alle Ideen die besten sind. Immer noch nicht vollends überzeugt von der schieren Größe des Messegeländes habe ich mich dann diesem von der falschen Seite genähert. Gut, das kann dauern. Und dann muss man auch noch die richtige Halle finden. Halle 26c. Dort gab es kein Einlassverbot für Hunde, und wir kamen doch noch am Ziel an.

Was macht man denn so mit Hund auf der Grünen Woche? Zuerst wurden wir von Frau Schindler empfangen, sie zeigte uns den Stand des KfUH, den wir besetzen durften. Es gab eine kurze Einweisung in das zur Verfügung stehende Infomaterial und dann stand ich bereit als Experte für ungarische Hirtenhunde 😉 – gut, alles ist relativ, ich kann immerhin schon fehlerfrei mehrmals hintereinander „Komondor“ schreiben und sprechen. Und die Bergamasker kenne ich so gut wie vielleicht maximal 500 andere Menschen in Deutschland. Darauf lässt sich aufbauen.

Wir hatten eine Reisefaltbox als Rückzugsgelegenheit für Gaia dabei. Aufgrund der Entfernung von Olympiastadion und Messe hatte ich aber darauf verzichtet, was sich nun als nicht allzu großer Verlust herausstellte, da Reise- und Transportboxen für die ausgestellten Hunde nicht erlaubt waren. Als Ausgleich dafür war der Stand vorne durch eine 40 cm hohe Holzwand begrenzt. Da wussten sowohl Hunde als auch Messebesucher sofort, welche Grenze sie nicht überschreiten durften. So konnten wir gleich starten, die Messebesucher anzulächeln und bei Bedarf Fragen zu beantworten. Gut, Gaia suchte sich ein Plätzchen zum Schlafen: Möglichst weit weg von der Frontlinie der Box, aber so, dass sie mich noch sehen konnte. Im hinteren Teil der Box gab es eine Art doppelte Wand, hinter der man vor den Blicken der Messebesucher geschützt war. Ich habe mich dann so platziert, dass Gaia nicht hinter der Schutzwand verschwinden wollte. Gaias große Arbeitsbereitschaft zeigte sich, wenn ich sie rief, damit sich ein interessierter Messebesucher ihr Fell aus nächster Nähe anschauen konnte. Obwohl sie keine Lust hatte, erhob sie sich und trottete tapfer an die Frontlinie. Mehrmals am Tage nahmen wir teil an einer Vorführung im Hunde- und Katzenoval. Von Frau Schindler fachkundig und mit großer Erfahrung kommentiert, hatten die Besucher hier die Gelegenheit, die verschiedenen Aspekte eines Hundes und verschiedener Hunderasse kennenzulernen. Um 17 Uhr gab es dann als Höhepunkt und Abschluss des Tages den gemeinsamen Auftritt von allen in der Halle ausgestellten Hunde- und Katzenrassen. Unter Aufsicht und ohne Zwischenfälle. Danach konnten wir zum Hotel aufbrechen und noch den Abend in Berlin kurz genießen, bevor alle hundemüde ins Bett bzw. auf die Decke fielen.

Am zweiten Tag – zu dem wir überpünktlich erschienen 😉  – mussten wir eine tadellos deutschsprechende ungarische Schülerin enttäuschen, dass am Stand für ungarische Hirtenhunde nur die Exemplare einer französischen (heute war auch Birko, ein Pyrenäenberghund und seine Besitzer anwesend) und einer italienischen Rasse ausgestellt wurden. Na, wenigstens konnten die Bilder der Komondore mit ihren kindlichen Spielgefährten die Enttäuschung ein bisschen mildern. Der Pyri in der Box zog alle Blicke auf sich, da konnte Gaia meistens unbemerkt in der Ecke schlummern, war aber hellwach, wenn ich sie nach vorne rief. Auch heute wieder gab es die Oval-Vorstellungen und Frau Schindler fragte in jeder Vorstellung die Besucher, ob sie schon einen Bergi gesehen hätten. Niemand meldete sich. Das ist ein Teilfazit des Besuches der Grünen Woche: Mehr als 100 Besucher haben zum ersten Mal in ihrem Leben bewusst einen Bergamasker wahrgenommen. Eine weitere Lehre ist, dass man sich vor den Ovalschauen über das aktuelle Thema informieren sollte. Als ich unbedarft in eine Schau gegangen bin, war das Thema Fellpflege an der Reihe. Gut, bei Gaia konnte ich dann ohne Bürste noch das Teilen der Zotten andeuten.

Fernsehprominenz war ebenfalls auf der Grünen Woche vertreten. Carmen Hanken (bekannt aus der Reihe Der XXL Ostfriese) stand neben der Box von JR, einem Sohn von Jumper. Und der Büffelhof Heerdes („Büffelranch“, ZDF) hatte gleichfalls einige Büffel ausgestellt. Der Spruch der zwei Tage aber kam von Frau Schindler. Einer der anderen Hundestandbetreuer meinte, er sei seit 1988 auf der Grünen Woche mit den Hunden beschäftigt. Auf meine spätere Frage an Frau Schindler, ob sie das auch schon seit 1988 mache, meinte sie: „Nein, seit 1968!“. 1968 ist das Jahr, in dem ich geboren wurde. Und ich bin nicht mehr der Allerjüngste. Hunde halten gesund und jung!

Am 23. Januar, kurz vor 20 Uhr endete er wieder in Taubach: der Rücktransport von Gaia. Als wir ankamen, wollte ich direkt mit Gaia eine Runde gehen. Das wollte sie aber nicht. Sie hörte die anderen Daheimgebliebenen und hat sich zielstrebig in deren Richtung zur Begrüßung und Verpflegung orientiert. Jetzt liegt Gaia in der Ecke und bereitet wohl die Grüne Woche nach, ohne einen Mucks zu sagen. Anstrengend, aber immer einen Besuch wert – insbesondere mit so vielen Erfahrungen, die jetzt darauf warten, wieder ausgespielt zu werden 😉

noch mehr Fotos hier auf der KfUH Homepage unter Landesgruppe 3

8 Comments

  1. Susanna Batteiger-Ege says:

    Herrlich geschrieben, vor allem die Dimensionen und die Suche nach dem richtigen Eingang. Grandios. Ihr habt den Bergi bestimmt super presentiert. Danke für die Mühe, die ihr da auf euch genommen habt.

    1. Danke! Wir haben uns bemüht, aber mit den Erfahrungen dieser Grünen Woche geht es bei der nächsten Grünen Woche besser 🙂

  2. Martina Klein-Breunig says:

    super schöner Bericht, danke Heinrich

    1. Vielen Dank für das Lob!

  3. Patrick says:

    Seht gut geschrieben, macht Spass zum lesen.

    1. Das freut mich sehr!

  4. Bernd Stertzenbach says:

    Na, das nenne ich mal einen ausführlichen, amüsanten Bericht. Klasse.

    1. Danke schön! 🙂

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